Gesichtskreise liegen; aber uns ziemt es, sein herrliches Gemüt zu bemerken,das überall auf das freudigste durchblickt. Wie verehrt er seinen Meister undVorgesetzten Tychol Wie schätzt er die Verdienste dieses Mannes, der sichdem ganzen Himmel gewachsen fühlte, insofern er sich durch die Sinnefassen und durch Instrumente bezwingen ließ. Wie weiß er diesen seinenLehrer und Vorgänger auch nach dem Tode gegen unfreundliche Angriffezu verteidigen! Wie gründlich und anmutig beschreibt er, was an dem astro-nomischen Baue schon geleistet, was gegründet, was aufgeführt, was nochzu tun und zu schmücken sei! Und wie arbeitet er sein ganzes Leben unver-rückt an der Vollendung!
Indes war Tycho bei allen seinen Verdiensten doch einer von den beschränktenKöpfen, die sich mit der Natur gewissermaßen im Widerspruch fühlen und des-wegen das komplizierte Paradoxe mehr als das einfache Wahre lieben und sicham Irrtum freuen, weil er ihnen Gelegenheit gibt, ihren Scharfsinn zu zeigen;da derjenige, der das Wahre anerkennt, nur Gott und die Natur, nicht aber sichselbst zu ehren scheint, und von dieser letzten Art war Kepler. Jedes klareVerdienst klärt ihn selbst auf; durch freie Beistimmung eilt er, es sich zuzu-eignen. Wie gern spricht er von Copernikus! Wie fleißig deutet er auf daseinzig schöne Apercu, was uns die Geschichte noch ganz allein erfreulichmachen kann, daß die echten Menschen aller Zeiten einander voraus ver-künden, aufeinander hinweisen, einander vorarbeiten. Wie umständlich undgenau zeigt Kepler, daß Euklides copernikisiere!
Ebenso verhält er sich zu seinen Zeitgenossen. Dem Johann Baptist Portaerteilt er die anmutigsten Lobsprüche, den herzlichsten Dank für die Ent-deckung der Camera obscura, für die dadurch auf einmal erweiterte Einsichtin die Gesetze des Sehens.
Wie sein Sinn, so sein Ausdruck. Geübt im Griechischen und Lateinischen,fehlt es ihm an keiner Kenntnis des Altertums, des gründlichen sowohl als desschönen, und er weiß sich nach Belieben auszudrücken. Manchmal läßt ersich zu Unwissenden, ja zu Dummen herab, manchmal sucht er wenigstensallgemeinverständlich zu werden. Bei Erzählung von natürlichen Ereignissenist er klar und deutlich, bald aber, wenn er wirken, wenn er lebhaftere Ein-drücke, entschiedenere Teilnahme hervorbringen will, dann fehlt es ihm nichtan Gleichnissen, Anspiegelungen und klassischen Stellen.Da er die Sprache völlig in seiner Gewalt hat, so wagt er gelegentlich kühne,seltsame Ausdrücke, aber nur dann, wenn der Gegenstand ihm unerreichbarscheint. (Goethe, Zur Farbenlehre, 1810.)
MARTIN OPITZ
Wie jedes rechte Gesetzbuch ist die Teutsche Poeterey des Opitz zugleich be-wußte Auswahl bisherigen Gebrauchs und Forderung eines künftigen. Erentfernt sich nie zu weit vom Sprachgefühl seines damaligen Volks und willes veredeln durch Zuwachs des Bewährtesten, was er aus der Geschichte kannte.Dabei übte er Willkür aus Verkennung der geschichtlichen Gründe für dieverschiedenen Formen, durch Übertragung fremden Geschmacks. Begeistert
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