auf die kleine Welt des Hauswesens. Was hatte die höfische Frau oder diePatrizierin oder gar die Ehegenossin des kleinen adligen Buschkleppers ge-mein mit den „Schreibern" und Geistlichen, die das Hauptkontingent derlateinischen Heerschar stellten? In den Kreisen, die der geistreiche BischofDalberg oder der wunderliche Abt Trithemius um sich sammelten, konnteohnedies an eine Beiziehung weiblicher Elemente kaum gedacht werden.Die Herrschaft des männlichen in der antiken Literatur und die naheliegendeErneuerung des klassischen Freundschaftskultus trafen mit dem Einflußäußerer Lebensverhältnisse zusammen, mit dem geistlichen Stand, mit demheimatlosen Umherziehen oder mit dem dürftigen und unsicheren Einkommender „Weisen" und Dichter. Bei einem Mann wie Celtis ist aber gewiß jeneAngst vor jeder Beeinträchtigung des freien Individualismus ausschlaggebend.Er blickte als „Vermählter der Philosophie" auf die kleinlichen Sorgen desFamilienlebens vornehm herab und sprach gern wie Petrarka von seiner un-sterblichen Nachkommenschaft, seinen Geisteskindern. Nicht als ob er deshalbden Verächtern der Frauen beigefallen wäre, deren ja nicht nur die kirch-liche Wissenschaft, sondern auch die Literatur der Renaissance, freilich spär-licher aufzuweisen hat. Celtis schätzte den Verkehr mit geistig hervorragen-den Frauen sehr hoch, wie vor allem sein freundschaftliches Verhältnis mitder edlen Charitas Pirkheimer zeigt, die ihn von der verderblichen Beschäf-tigung mit weltlicher Weisheit und schönen Fabelgöttern abzuziehen wünschte.Auch die schöne und sittsame Virtuosin Anna, „in der Kunst Musika, auchmancherlei Saitenspiel hochberühmt, daß ihresgleichen weder in deutschernoch welscher Nation von niemand gehört und erfahren ist", scheint ihm, derdie früh Verstorbene wiederholt verherrlicht, ein Gegenstand reiner Neigunggewesen zu sein. Neben diesen Nürnberger Frauen feiert er noch die friesischeDichterin, Philosophin und Juristin Agnula und die Frau seines FreundesTelicornus, die lateinisch sprach und sogar Reden hielt. Seine Veröffent-lichung der Werke Roswithas bot ihm Gelegenheit, weiblicher Begabungund vor allen den edlen Frauen deutscher Nation einen Lobspruch zu halten.(Friedrich von Bezold, Konrad Celtis, „der deutsche Erzhumanist", 1883.)
JOHANN KEPLER
Wenn man Keplers Lebensgeschichte mit demjenigen, was er geworden undgeleistet, zusammenhält, so gerät man in ein frohes Erstaunen, indem mansich überzeugt, daß der wahre Genius alle Hindernisse überwindet. DerAnfang und das Ende seines Lebens werden durch Familienverhältnisseverkümmert, seine mittlere Zeit fällt in die unruhigste Epoche, und dochdringt sein glückliches Naturell durch. Die ernstesten Gegenstände behan-delt er mit Heiterkeit und ein verwickeltes mühsames Geschäft mit Be-quemlichkeit.
Gibt er schriftlich Rechenschaft von seinem Tun, von seinen Einsichten, soist es, als wenn es nur gelegentlich, im Vorbeigehen geschähe, und dochfindet er immer die Methode, die von Grund aus anspricht. Andern sei es über-lassen, seine Verdienste anzuerkennen und zu rühmen, welche außer unserm
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