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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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Welt. Evolution undEmanation schließen nun noch sich zusammen mit der Schöp -fung. An keinem Punkte ist das Ringen Ekkehardts um Begriff und Wort soschwer, die Auseinandersetzung mit derTradition, von der er doch nicht losgerissensich fühlen mochte, so mühevoll und also seine Aussprüche so vieldeutig wie hierin dieser folgeschwersten Wendung. Die pantheistische Gefahr: daß zwischenGott und Welt der Unterschied sich gar verwischt, umdroht den neuen Weg.Und dennoch kommt es zuweilen klar und scharf heraus:Der Vater sprachsich und alle Kreaturen in dem Sohn";Sohn und heiliger Geist und alle Krea-turen, das ist nur ein Spruch in Gott". Danach ist also auch das Sein derDinge sinnvoll für das Leben Gottes, in seinem Selbst-sich-Offenbaren mit-gegeben:Der Vater sieht auf sich selber, da sieht er gebildet alle Kreaturen."Gott könnte sich nimmer erkennen, er erkennte denn alle Kreaturen."Zu dem sich offenbarenden Gewerden Gottes selbst gehört die Welt und jedeKreatur! Bekannt ist jener Spruch des Angelus Silesius (des letzten großenAusläufers dieser mystischen Spekulation im 17. Jahrhundert):Ich weiß,daß ohne mich Gott nicht ein Nu mag leben; bin ich zunicht, er muß von Notden Geist aufgeben"; derselbe Sinn ist schon ganz klar bei Ekkehardt:Gottmag nicht gewerden ohne die Seele",Gott kann sich nicht verstehen ohnedie Seele"; ganz schroff:Daß Gott ist, dessen bin ich ein Ursach." Es bliebeeben ohne die Kreatur, die Welt, die eins sind mit dem Sohn, dieGottheit"ungewortet in der stillen Wüste, würde nichtGott" der Offenbarte, sich insich selbst durchleuchtend! (Heinz Heimsoeth, Die sechs großen Themender abendländischen Metaphysik, 1922.)

ERASMUS

Erasmus, der Voltaire des 16. Jahrhunderts, hat ein Menschenalter hindurchdie Geister beherrscht und die antikirchliche Bewegung geleitet. Von seinerGeburt ab war ihm Unglück und Druck von den Mönchen gekommen: dannhatte er dieselben im Kloster gründlich kennen und hassen gelernt. Er wandtesich der aufgehenden Sonne der humanistischen Wissenschaft zu und fühlteim Fortschreiten bald, daß er zum Schriftsteller geboren war. Alle Formenwandte er an, Poesie und Prosa, Dialog, Abhandlung und Brief, überall flüchtig,ein Improvisator; aber jedes seiner Werke ist erfüllt von dem Gefühl dessen,was die Zeit bedurfte. Wie er das neue Latein der Humanisten gebrauchte,ohne Pedanterie, mit unvergleichlichem Sprachgefühl, schmiegte sich dieseWeltsprache allen Ideen und Stimmungen der Zeit an. Alles klang in ihman, was die Zeit Widersprechendes hegte: die Neigung einer überkräftigen,männlichen Generation zum derben Scherz über die Sinnlichkeit, die Freudeam Sonnenaufgang der Wissenschaften, der Haß eines ganz unabhängigenGeistes gegen die Kirchen und doch die ernstgemeinte Vertiefung in die theo-logischen Probleme der Zeit: er war wie ein Dämon mit hundert Angesich-tern von ganz verschiedenem Ausdruck und Mienenspiel: und gerade des-wegen hafteten an ihm fragend, zweifelnd, bezaubert die Augen der Zeit-genossen. Ein unermeßliches Verdienst erwarb er sich durch sein Eintretenfür die religiöse Toleranz; es war das eigenste Wesen des zarten, kleinen,

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