wieder sorgfältig beiseiteschoben. Sehr schön spricht sich dies Verhältnis ausin der bekannten Anekdote vom Automaten des Albertus; — Thomas vonAquino geriet eines Abends in die Zelle seines Meisters, da kam ihm die Figurentgegen und sprach: Salve Thoma! — Thomas aber, in der Meinung, es seiein Teufelsspuk, schlägt das kostbare Werk mit einem Stabe in Trümmer;— er ist der Wagner dieses Faust gewesen.
Die einundzwanzig Foliobände, welche Peter Jammy in Lyon 1651 und in denfolgenden Jahren herausgegeben hat, umfassen bloß die theologischen und philo-sophischen Schriften des Albertus, und auch diese bei weitem nicht vollständig;viel mehr als die Hälfte dessen, was Albertus geschrieben, ist noch nicht ediertoder verloren und bloß dem Titel nach bekannt. Wie vieles Licht würde auf dieKulturgeschichte jener Zeit fallen, wenn wir Alberts Schriften über die Musik,über die Arithmetik, über die Einheit der Form, über die Bildung des Menschenim Mutterleibe, über die Kunst des Predigens, über die Astronomie, die Heil-kunst, den Ackerbau, die Jagd, die Schiffahrt, ja selbst über die menschlichePhysiognomie noch besäßen! Doch vor allem beklagenswert ist der Verlustder Abhandlungen Alberts über die Geometrie, über das Theaterwesen und überdie Perspektive, aus welchen wohl seine Stellung zur bildenden Kunst amklarsten hervorgehen würde. Jedenfalls ist Albertus ein Mann der Wissen-schaft im größten Sinne gewesen. Groß erscheint er auch als Mensch. Wie oftist er als Friedensstifter zwischen der unruhigen Stadt und dem ehrgeizigenErzbischof aufgetreten! Seine Zelle im Dominikanerkloster zu Köln zog er allenEhren und Würden vor, vergebens suchte ihn Papst Alexander IV. im Jahre1255 in Rom zu fesseln; ein Jahr lang las er dort vor einem Auditorium derersten Prälaten und Kardinäle über das Evangelium Johannis und die Episteln„auf wundersame und unerhörte Weise", dann zog er sich wieder nach Kölnzurück und legte (1259) selbst das Provinzialat seines Ordens nieder. Nurdurch die Pflicht des Gehorsams ließ er sich im Jahr 1260 durch den Papstbewegen, das Bistum Regensburg anzunehmen, aber die kriegerische, un-ruhige Stellung eines Landesherrn zur Zeit des Interregnums sagte ihm nichtzu; schon 1263 dispensierte ihn Urban IV. auf sein inständiges Bitten hin vonseinem Amte. Freudig kehrte er nach Köln zurück, jubelnd empfing ihn dieStadt. Erzbischof Engelbert II. verlieh ihm alsobald das Ehrenrecht, überallin dem kölnischen Erzsprengel in bischöflichem Gewände Gottesdienst zuhalten und bischöfliche Funktionen auszuüben, ein gleiches taten auch dieBischöfe von Straßburg und Basel, daher sind so viele Kirchen und Altäre vonihm geweiht. — Als einundachtzigjähriger Greis besuchte er noch 1274 daszweite Konzilium von Lyon, und drei Jahre später machte er sich noch einmalauf den Weg nach Paris, um die von der Schule von St. Amour (den älterenScholastikern) angefochtene Lehre seines Schülers Thomas (und des neuenBettelordens überhaupt) persönlich zu verteidigen, wie er schon 1255 in Romgetan. Nicht lange darnach, als er wieder in Köln war, wurde ihm währendeines Vortrages das Gedächtnis untreu, unter gottseligen Übungen bereiteteer sich auf seinen Tod vor und verschied in seinem siebenundachtzigsten Jahreden 15. November des Jahres 1280. (Jacob Burckhardt, Conrad von Hoch-staden, 1843.)
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