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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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die Oberkleider aus und lagerten sich unter den Bäumen; die Diener setztenihnen geschäftig vor. Da geriet der König und alle Anwesenden in die fröh-lichste Heiterkeit. Aber sowie das Mahl zu Ende war, verschwanden plötz-lich die Diener wie Schatten, der Gesang der Vögel verstummte, die Bäumewurden kahl, die Blumen verdorrten und grimmige Kälte brach mit Schneeund Eis wiederum herein, so daß alle ins Kloster an die Kaminfeuer flohen.Ehe die Gesellschaft sich vom Erstaunen erholt hatte, trat Bruder Albertus zuKönig Wilhelm hin und bat ihn, bei seiner bevorstehenden Reise nach Utrechtdem Predigerorden daselbst die Baustelle zu einem Kloster zu schenken. DerKönig gewährte die Bitte, nach wenigen Tagen nahm er Abschied von denversammelten Herren, reiste den Rhein hinunter und kaufte in Utrecht nichtnur die Baustelle, sondern beschenkte auch das neue Kloster mit großer Frei-gebigkeit.

Und wer war nun dieser Bruder Albertus? Auch der kürzeste Abriß seinesreichen, großartigen Lebens und seiner Leistungen würde die Grenzen dieserArbeit und meiner Kräfte weit überschreiten. Wenige, kurze Züge müssenhier genügen.

Albert, aus dem Geschlecht der Grafen von Bollstädt, ward geboren zu Lauingenan der Donau (zwischen Ulm und Donauwört) im Jahre 1193, ein Jahrfrüher als Kaiser Friedrich II. Aus seiner Jugendzeit ist nur weniges bekannt.Frühe finden wir ihn mit philosophischen, mathematischen und medizinischenStudien beschäftigt; auch Venedig besuchte er damals. Eine Predigt desDominikaner-Generals Jordanus bewog im Jahre 1223 den jugendkräftigenMann, aus dessen Händen das weiße und schwarze Gewand des damals neuaufstrebenden Ordens zu nehmen; ein größeres Mitglied hat letzterer nie ge-wonnen. Albertus gab sich nun in Italien der Theologie hin und trat dannseinen Beruf an; er lehrte nacheinander in Hildesheim, Freiburg im Breis-gau, Regensburg, Straßburg und Köln, wahrscheinlich um 1236 auch in Paris,und die größten Gelehrten seiner Zeit nannten sich gerne seine Schüler, soThomas von Champre, Humbert, Johann von Freiburg und andere mehr.In Köln schloß sich 1244 der junge Thomas von Aquino an ihn an, den ihmBruder Johann der Deutsche, Ordensmeister der Dominikaner, zugeführt hatte.Vom Jahre 1245 bis in den Sommer 1248 war er nebst Thomas wiederum inParis, vielleicht zur Erlangung des Magistergrades; seine Rückkehr nach Kölntrifft mit der Gründung des Domes gerade in dieselbe Zeit.Es ist schon öfter die Vermutung ausgesprochen worden, Albertus habe den

Kölner Dom entworfen; eine alte einheimische Sage bestätigt es.-------

Derselbe Mann war es auch, welcher den Realismus zuerst in ein geordnetesSystem brachte und durch seinen Schüler Thomas von Aquino einen un-ermeßlichen Einfluß auf die Wissenschaft der folgenden Jahrhunderte aus-geübt hat, der zugleich einer der tiefsten Philosophen und einer der gelehr-testen Theologen seiner Zeit war, der es noch früher als Roger Baco unter-nahm, eine freisinnige Naturforschung zur Grundlage der Philosophie zudachen und darob der Zauberei beschuldigt wurde. Albertus hat in letzterBeziehung, so gut wie Baco, weit über seine Zeit hinausgegriffen, und wirdürfen uns deshalb nicht wundern, wenn seine Schüler die Naturforschung

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