DER HEILIGE WOLFGANG
Wolfgang war ein edler Schwabe von Geburt, schon als Knabe gab er in derheimischen Klosterschule Reichenau, als Jüngling in der neubegründetenStiftsschule von Würzburg Proben ungewöhnlichen Geistes, früh auch trat erin die Kreise Ottos des Großen, mit dessen bischöflichen Vettern Heinrich vonTrier und Poppo von Würzburg ihn Jugendliebe, mit dessen Bruder Brunovon Köln ihn Mannesfreundschaft verband. Vor allem als Lehrer ragte erhervor, als Lehrer nämlich des strengen gemeinsamen Lebens im Geiste, dasdurch Zucht und Hingabe zum Wissen führte. Er liebte das Wissen, aber wenner klügere Schüler zum Schwierigsten emporgeführt hatte, wandte er sichauch gern den einfältigen zu und belehrte sie aus der heiligen Geschichte— so sehr, urteilt sein Biograph, bändigte er sich unter den Zöglingen. Nach-dem er, eines höheren Rufes harrend, mehrfach die Erhebung zum Bischofausgeschlagen, trat er vierzigjährig in den Orden des heiligen Benedikt, underst nach ein paar weiteren Jahren hielt er sich für bereitet, die Priesterweihezu empfangen. Er versuchte sich dann als Missionar unter den Ungarn.Aber empfindend, daß dies sein Weg nicht sei, übernahm er 972 den Bischof-stab von Regensburg; in seiner Diözese starb er 994, ein Jahr nachdem seinZögling Heinrich von Bayern neben seinem Vater zum Herzog erhoben ward.Was er in seinem geistlichen Fürstentume geleistet, kann keine kurze Schil-derung erschöpfen. Sein erstes Hauptwerk war die Verjüngung der bayrischenKlöster und die Regulierung des Weltklerus in gemeinsamem Leben. „Hättenwir nur Mönche," sagte er, „alles andre würde reichlich genügen." Er fanddie Klöster durch die Ungarn verheert, durch die weltliche Gewalt teils ge-mindert, teils zu außergeistlichen Zielen in Anspruch genommen, daher dennauch in Beobachtung der Regel lax. Er schuf dagegen äußere Ordnung,weckte aber zugleich den inneren Sinn der heiligen Gebundenheit. Da erdas Regensburger Kloster Sankt Emmeram mit der Kathedralkirche so ver-knüpft fand, daß der Bischof zugleich Abt war, womit sich notwendig diePflichten von Priestern und Mönchen verwirrten, verzichtete er für sein Bis-tum auf die Einkünfte des Klosters um der Ordnung willen. Zugleich aberwidmete er sich mit allem Eifer der Bildung seines Klerus: er begründeteSchulen und überwachte sie, er sorgte für Bücher und baute für Sankt Em-meram eine Bibliothek, er unterredete sich womöglich täglich mit seinenJüngern über geistliche Fragen. Dabei reichte sein Blick frei über die Grenzenseines Kreises hinaus. Als er das Bistum erhielt, gehörte ganz Böhmen zu seinerDiözese, ihm entging nicht, daß die Mission in Böhmen ohne ein eigenes Bis-tum gelähmt war. Da nun die Errichtung des Bistums Prag unter der Metro-pole Mainz, deren Macht den Zusammenhang mit Deutschland festigen sollte,zur Frage kam, stimmten alle Kapitulare und Vasallen von Regensburg gegensolche Minderung. Wolf gang dachte an das Ganze und stimmte dafür: erwolle für das Haus Gottes sich und das seine opfern. Solch eine Gesinnunghatten damals wohl die Kaiser, die das Ganze überschauten; Bischöfe fast nie.Dabei nahm ihm seine fromme Geistigkeit nichts von der männlichen Tat-kraft. Derselbe Heilige, den Tränen fast bis zur Lebensgefahr erschütterten,
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