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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
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weil Priester seines Bereiches die Messe, des Weines ermangelnd, mit Wasserbegangen hatten, derselbe, der bei einer Hungersnot die Speicher öffnete,damit die Dürftigen sich selber nähmen, sprang auch bei einem Heereszug alserster in einen aufgeschwollenen Fluß, vor dem die Krieger scheuten, durchsein Beispiel wirkend, daß alle hinübergelangten; und sein anderes Haupt-werk neben dem der Erziehung war das staatsmännisch-praktische, daß erdie dünnbevölkerte, von Kultur noch wenig berührte bayrische Ostmarkdurch Ansiedelung deutscher Bauern dem Deutschtum und Christentum end-gültig erschloß.

Im Kreise dieses Mannes entwickelte der junge Heinrich, der letzte der Sachsen-kaiser, seine Anschauungen von geistlicher Ordnung und Bildung, ja wohlvon der deutschen und der allgemeinen Kirche und vom christlichen Geisteüberhaupt. Hier auch fand er Freunde, die ihm später das Reich tragen halfen,vor allem seinen Tagino, den Wolfgang noch im letzten Abschiedskuß alsechten Erben bezeichnet hatte:Lege, o Sohn, deinen Mund auf meinen Mundund empfange von Gott die Einhauchung meines Geistes ..." Von diesemTagino heißt es, Heinrich habe ihn wegen der Keuschheit seines Sinnes undLeibes geliebt, und so gab er ihm als König den ersten freien Erzstuhl Magde-burg. Als dann nach neun Jahren gemeinsamer Taten Tagino sein Endefühlte, ließ er sich sacht in die Kammer des Königs tragen, der eben schlief,hob seine Kappe vom Haupt und sprach:Würdigen Dank erstatte dir, Herr,mein liebster, der allmächtige Gott wegen all der Barmherzigkeiten, mit denendu mich Pilger so lange heimgesucht und getröstet hast." So schied er undstarb vier Tage darauf. (Wolfram von den Steinen, Kaiser Heinrich IL, 1924.)

DIE HEILIGE HILDEGARD VON BINGEN

Da in Mitte des Getümmels der Zeiten dem stillen, ernsten, in sich gekehrtenSinne derjenigen, die an ihm keinen Gefallen fanden, so zahlreiche Zufluchts-stätten geöffnet waren, mußte wohl die Mystik in ihnen gedeihlichen Fort-gang nehmen und zu ihrer höchsten Entwicklung gelangen. Als Ausdruck desneuen Aufschwunges, den sie im Laufe dieses Zeitalters genommen, mag unsrecht im Eingange desselben die heilige Hildegardis gelten. Sie, 1098 geboren,War mit acht Jahren im Kloster des Dysibodusberges beschlossen worden,Wo sie unter der Zucht der frommen Jutta erwuchs. Schon in ihrer frühestenJugend war der Durchbruch geschehen; als sie kaum drei Jahre alt gewesen,hatte, wie sie später dem Priester Vibert selbst erzählt, eine solche Fülle desinneren Lichtes sie durchgossen, daß sie, bei seinem Anblicke, in ihrem Herzenerzitterte; sie hatte damals aber keine Worte gefunden, um, was ihr begegnet,auszusprechen. Vom achten Jahre bis zum fünfzehnten mehrten sich dieGesichte, und sie sprach darüber in ihrer Einfalt aus: so, daß die, welche siereden hörten, sich wunderten, woher ihr das gekommen und wer es ihr inden Mund gelegt. Sie wurde nun ihrerseits gleichfalls aufmerksam und wun-derte sich, daß, während sie innen in der Seele schaue, doch auch das Äußer-Hche ihr sichtbar bleibe und daß nichts Ähnliches von andern ihr zu Ohrenkomme; deswegen sie denn ihre Gesichte vor den Menschen sorgfältig zu ver-

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