hung des Volkes zur Arbeit für den Staat. Dürfen ihm deshalb echt staats-männische Gedanken und Taten bestritten werden? Er war nicht nur einVirtuose des diplomatischen Kunsthandwerkes; gerade dadurch, daß er mitunerreichter Meisterschaft die systematischen Gedanken des philosophischenJahrhunderts, des Jahrhunderts der Staatengesellschaft, tief in das neueJahrhundert hineinführte, sicherte er unbewußt durch langen äußeren Friedenden Völkern ein allmähliches Hineinwachsen in die Welt des nationalen undsozialen Dranges und ermöglichte bewußt wirtschaftliches, geistiges und künst-lerisches Aufblühen, indem er dem stürmischen Durchbruche des Revolutions-geistes Schranken entgegenstellte.
Wenn Österreich das Opfer des Nationalitätenkampfes wurde: Metternichhatte den Weg zur Ausschaltung dieser Zerstörungsgefahr wenigstens zumTeile gewiesen. Als Leiter der äußeren Politik hat Österreich keinen seines-gleichen gehabt, selbst Kaunitz nicht. Und soweit die Lockerung desrechtlichen, wirtschaftlichen und geistigen Zusammenhanges dieses Staatesmit dem großen deutschen Volkskörper um sich griff, so groß die Abneigungdes liberalen Teiles des deutschen Volkes gegen das konservative Österreichwurde, die Verschließung seiner besten Lebensquelle, die Verdrängung Öster-reichs aus dem deutschen Mitteleuropa und seine Verweisung nach dem Ostenhat Metternich stets bekämpft. Das ist das Werk der neuen Realpolitik.Metternich aber ist für Europa und für Österreich der letzte und der großeVertreter eines universalen politischen Gedankens, so universal wie seineGegnerin, die große Revolution: der Gemeinschaft der christlichen Staatenund ihrer geschichtlich begründeten Gesellschaftsgliederung. (Heinrich Rittervon Srbik, Metternich, 1921.)
BISMARCK
Er war eine geborene Herrschernatur. Schon äußerlich machte er den Ein-druck eines olympischen Helden oder germanischen Recken: er war ein Jäger,Reiter, Schwimmer, Fechter, Esser und Trinker, der es mit jedem aufnahm.
--------Die Arbeitskraft Bismarcks war überall erstaunlich; sie war auch am
Schreibtisch und im Parlament kaum von sonst jemandem zu erreichen;seine Gehilfen, von denen er gleiches forderte, gingen immer rasch an derÜberanstrengung zugrunde. Er selbst war schon 1859 durch das Übermaßder Anforderungen an sich selbst ein halbkranker Mann. Aber jede größereAufgabe schien ihn wieder zu stärken und über sich selbst hinauszuheben,ihn mit noch größerer Tatkraft und Leistungsfähigkeit auszurüsten. Freilichbewegte sich nun auch seine ganze Ministerlaufbahn in dem Gegensatz zwi-schen körperlicher Erschöpfung und fieberhafter Anstrengung. Seine Willens-energie zeigte sich einmal in der bohrenden Zähigkeit, mit der er an den fürrichtig erkannten Zielen festhielt und zeitweise alle Fasern und alle Nervenauf das im Moment Wichtigste konzentrierte — dann aber in den orkan-artigen Entladungen seiner Kraft, wenn ihm Hindernisse und Feinde in denWeg traten. Sein Haß war so stark wie seine Liebe; hat er doch selbst er-klärt, daß ihm der erstere so notwendig zum Leben sei wie die zweite! In den
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