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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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trauen meiner Völker zu gewinnen; und seit ich den Thron bestiegen, habe ichmehrmalen Beweise davon abgelegt, daß das Wohl meiner Untertanen meineLeidenschaft sei; daß ich zur Befriedigung derselben keine Arbeit, keine Müheund selbst keine Qualen scheue, und daß ich genau die Mittel überlege, diemich den Absichten näherbringen, die ich mir vorgesetzt habe; und demohn-geachtet finde ich in den Reformen allenthalben Widersetzlichkeiten von sol-chen, von welchen ich es am wenigsten vermuten konnte.Als Monarch verdiene ich das Mißtrauen meiner Untertanen nicht; als Regenteines großen Reiches muß ich den ganzen Umfang meines Staats vor Augenhaben, den ich mit einem Blick umfasse, und kann auf die separaten Stimmeneinzelner Provinzen, die nur ihren engen Kreis betrachten, nicht allzeit Rück-sicht nehmen.

Das Privat-Beste ist eine Chimäre, und indem ich es auf einer Seite verliere,um meinem Vaterland damit ein Opfer zu bringen, kann ich auf der andern Seitean dem allgemeinen Wohl Anteil nehmen! Aber wie viele denken daran!Wenn ich unbekannt mit den Pflichten meines Standes, wenn ich nicht mo-ralisch davon überzeugt wäre, daß ich von der Vorsehung dazu bestimmt seie,mein Diadem mit all der Last von Verbindlichkeiten zu tragen, die mir damitauferlegt worden, so müßte Mißvergnügen, Unzufriedenheit mit dem Losmeiner Tage und der Wunsch: Nicht zu sein, diejenige meiner Empfindungensein, die sich unwillkürlich meinem Geiste darstellte. Ich kenne aber meinHerz; ich bin von der Redlichkeit meiner Absichten in meinem Innerstenüberzeugt und hoffe, daß, wenn ich einstens nicht mehr bin, die Nachweltbilliger, gerechter und unparteiischer dasjenige untersuchen und prüfen, auchbeurteilen wird, was ich für mein Volk getan. (Joseph II., Brief von 1787.)

JUSTUS MOSER

Daß Mosers Charakter vorzüglich gewesen sei, erhellt schon daraus, daß erbei den schwierigsten Geschäftsführungen viele Jahre lang das allgemeineVertrauen bis an sein Ende genoß in einem Lande und in einer Verfassung,Wo das allgemeine Vertrauen zu erhalten eben nicht leicht ist; aber wie vor-züglich sein Charakter gewesen, wer wagt es so auseinanderzusetzen, daß esganz deutlich wäre? Der Mann war redlich, bieder, patriotisch, uneigennützigim höchsten Grade, menschenfreundlich, wahr, zuverlässig, fest ohne Eigen-sinn, nachgebend ohne Schwachheit, unverzärtelt ohne Rauhigkeit, gut-herzig ohne Unbesonnenheit, froh und munter ohne Leichtsinn, gleichmütig°hne Gleichgültigkeit, seines Wertes sich bewußt ohne Egoismus, frugal ohneGeiz, mildtätig ohne Prahlerei, gastfrei ohne Verschwendung. Alles höchstw ahr; im allgemeinen! Der du damit nicht zufrieden bist, der du genauergeschildert verlangst, wie alle diese herrlichen Eigenschaften sich individuell2 u einem noch herrlichem Ganzen vereinigten, sage mir erst, wie der schnee-weiße Honig schmeckt, den Preußens Bienen aus den vollen Blüten hundert-jähriger Linden saugen und mit deren Süßigkeit auch den holden Duft in ihrenHonig übertragen. Oder, hast du ihn gekostet, vergeistige das Bild, wenn dukannst; und du hast Mosers Charakter!-------

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