der schlechteren Masse gab sein Blick und Wort Tapferkeit und Hingebung,aber er wußte doch, wie dies alles nicht retten würde; kurz und schneidendwurde sein Tadel, sparsam sein Lob. So lebte er fort, fünf Sommer und Winterkamen und gingen, riesig war die Arbeit, unermüdlich sein Denken und Ent-werfen neuer Pläne, das Fernste und Kleinste übersah prüfend sein Adler-auge, und doch keine Änderung, und doch nirgend eine Hoffnung. Der Königlas und schrieb in den Stunden der Ruhe, gerade wie früher, er machte seineVerse und unterhielt brieflichen Verkehr mit Voltaire und Algarotti, aber erwar gefaßt, alles das werde nächstens für ihn ein Ende haben, ein kurzes,schnelles; er trug Tag und Nacht bei sich, was ihn von Daun und Laudon frei
machte. Der ganze Handel wurde ihm zuweilen verächtlich.-------
So schrieb und trauerte der König, aber er hielt aus. Und wer durch die finstereEnergie seines Entschlusses erschüttert wird, der möge sich vor der Meinunghüten, daß in ihr die Kraft dieses wunderbaren Geistes ihren höchsten Aus-druck finde. Es ist wahr, der König hatte einige Augenblicke der Betäubung,Wo er die Kugel des Feindes für sich forderte, um nicht selbst den Tod in derKapsel suchen zu müssen, welche er in den Kleidern trug; es ist wahr, er warfest entschlossen, den Staat nicht dadurch zu verderben, daß er als GefangenerÖsterreichs lebe; insofern hat, was er schreibt, eine furchtbare Wahrheit.Aber er war auch von dichterischer Anlage, war ein Kind aus dem Jahrhundert,Welches sich so sehr nach großen Taten sehnte und in dem Aussprechen er-habener Stimmungen so hohe Befriedigung fand; er war im Grunde seinesHerzens ein Deutscher mit denselben Herzensbedürfnissen, wie etwa der un-endlich schwächere Klopstock und dessen Verehrer. Das grübelnde Nachdenkenund das entschlossene Aussprechen seines letzten Plans machten ihn innerlichfreier und heiterer. Auch seiner Schwester von Bayreuth schrieb er darüber indem unheimlichen zweiten Jahre des Krieges, und dieser Brief ist besondersbezeichnend. Denn auch die Schwester ist entschlossen, ihn und den Fallihres Hauses nicht zu überleben, und er billigt diesen Entschluß, dem er übrigensin seinem düstern Behagen über die eigenen Betrachtungen wenig Beachtunggönnt. Einst hatten die beiden Königskinder im strengen Vaterhaus heimlichdie Rollen französischer Trauerspiele miteinander hergesagt, jetzt schlugenihre Herzen wieder in dem einmütigen Gedanken, sich durch einen antikenTod aus dem Leben voll Täuschung, Verirrung und Leiden zu befreien. Aberals die aufgeregte und nervöse Schwester gefährlich erkrankte, da vergaßFriedrich alle seine Philosophie aus der Schule der Stoa, und in leidenschaft-licher Zärtlichkeit, die noch fest am Leben hing, sorgte und grämte er sich umdie, welche ihm die Liebste seiner Familie war. Und als sie starb, da wurde seinlauter Jammer vielleicht noch durch die Empfindung geschärft, daß er zutragisch in das zarte Leben der Frau gegriffen hatte. So mischt sich auch beidem größten von allen Deutschen, welche aus der ersten Hälfte des 18. Jahr-hunderts heraufkamen, poetische Empfindung und der Wunsch, schön undgroß zu erscheinen, seltsam in das ernsthafte Leben der Wirklichkeit. Derarme kleine Professor Semler, welcher in der tiefsten Rührung noch seineKörperhaltung studiert und seine Komplimente überlegt, und der große König,Welcher in kalter Erwartung seiner Todesstunde noch über den Selbstmord
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