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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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Unglückswochen des Siebenjährigen Kriegs, bricht er durch. In seinen bissigenAntworten auf Eingaben spricht bald der harte Despot, bald der witzige Zy-niker, selten das gebieterische Genie, das einen kleinen Staat aus dem Druckder furchtbarsten Übermacht gerettet und erhoben hatte.Wenn die Zeitgenossen, Voltaire voran, ihn mit Cäsar verglichen, so bemerktensie weniger die Art, als den Umfang und die Stärke dieses Genies, weniger denRiß zwischen seinem Herrschertum und seiner Literatur, als deren unglaub-liche Verbindung, weniger den Stil seiner Taten, als ihre Erfolge, weniger dieForm seiner Schriften, als ihre Gesinnung. Er war Eroberer und Weiser,heldenhaft und aufgeklärt, furchtbar und human, Täter und Melder seinerGeschichte: das genügte für den flachen Blick, um ihn an Cäsar zu rücken.Friedrich nahm von früh auf den Vergleich gerne hin und sah sich geflissentlichals den Nachahmer Cäsars, wenn er auch einmal abwehrte: er sei nur ein Schul-junge neben Alexander und nicht wert, Cäsars Schuhriemen zu lösen. Diesgehörte zu der Höflichkeit des feinen Mannes, ob er innerlich den Unterschiedanerkannte oder nicht. Auch als König war er zu sehr aufgeklärter Gesell-schaftsmensch, um.sich mit solch herrischem Stolz neben die mythischen Halb-götter zu stellen wie Napoleon, der sich selber mythisch fühlte, oder mit demAnspruch der göttlichen Weihe, wie die mittelalterlichen und katholischenKönige. (Friedrich Gundolf, Cäsar, Geschichte seines Ruhms, 1924.)

FRIEDRICH DER GROSSE IM SIEBENJÄHRIGEN KRIEGE

Während die junge Kraft des Volkes in begeisterter Wärme die Flügel regte,wie empfand unterdes der große Fürst, der ohne Ende gegen die Feinde rang?Als ein schwacher Ton klang der begeisternde Ruf des Volkes an sein Ohr,fast gleichgültig vernahm ihn der König. In ihm wurde es stiller und kälter.Zwar immer wieder kamen leidenschaftliche Stunden des Schmerzes und herz-zerreißender Sorge. Er verschloß sie vor seinem Heere in sich, das ruhige Ant-litz wurde härter, tiefer die Furchen, gespannter der Blick. Gegen wenigeVertraute öffnete er in einzelnen Stunden das Innere, dann bricht auf einigeAugenblicke der Schmerz eines Mannes hervor, der an den Grenzen des Mensch-lichen angekommen ist.

Zehn Tage nach der Schlacht bei Kolin starb seine Mutter; wenige Wochendarauf scheuchte er im Zorn seinen Bruder August Wilhelm vom Heere, dasdieser zu führen nicht kräftig genug gewesen war; das Jahr darauf starb auchdieser, wie der meldende Offizier dem König verkündete, durch Gram getötet.Kurz darauf erhielt er die Nachricht vom Tode seiner Schwester von Bay-reuth. Einer nach dem anderen von seinen Generalen sank an seiner Seiteoder verlor des Königs Vertrauen, weil er den übermenschlichen Aufgabendieses Krieges nicht gewachsen war. Seine alten Soldaten, sein Stolz, eherneKrieger, in drei harten Kriegen erprobt, sie, die sterbend noch die Hand nachihm ausstreckten und seinen Namen riefen, wurden in Haufen um ihn zer-schmettert, und was in die weiten Gassen eintrat, die der Tod unaufhörlich insein Heer riß, das waren junge Leute, manche gute Kraft, viel schlechtesVolk. Der König gebrauchte sie, wie die andern auch, strenger, härter. Auch

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