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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
Seite
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kosmische Fülle, ohne die römische Wucht und gestaltige Dichte, ohne denantiken Einklang von Welt, Werk und Wesen hat Friedrich doch mitten in dasweiche, müde, späte Rokoko wieder die Heldenstärke und den Schicksalsschauergebracht, den es eingebüßt hatte über der Pflege der gesitteten Gesellschaftund der tugendhaften oder gebildeten Seele.

Mit seinem Staatswillen reichte der preußische Eroberer bis in die Schichtenhinab, aus denen das Römertum stammte, und sog aus Ursprüngen, die seinemBewußtsein und seinen Gefühlen so fremd waren wie dem übrigen Rokoko.Es unterscheidet ihn von Cäsar und Napoleon zum Nachteil seiner Monumen-talität, daß seine Kräfte und seine Bildung, sein Blut und sein Geist verschie-denen Bereichen angehören. Als Schriftsteller ist er ein Schüler Voltaires,als Feldherr und Staatsmann ein Bruder Cäsars, und wenn ihm auch seineHerrschererfahrungen eigene Inhalte und Stoffe geben und sein königlicherVerstand bis in seine matten Verse hinein sich kaum verleugnet, so sind dochseine Worte und Gedanken zu flach und zu glatt, um sein Selbst auszudrücken:er schreibt nicht in seinem eigenen Stil, nicht in dem Stil, worin er handelt undleidet, und womit er Europa und Deutschland wieder Staats- und schicksals-sichtig gemacht hat. Seine Schriftstellerei ist nicht, wie die Cäsars, eine Funk-tion seines Tätertums, sondern (ebenso wie seine Musik) der Zuwachs, dasSondertalent eines Liebhabers, der eigentlich und wesentlich Feldherr undStaatsmann war. Wenn man sie wegen ihres gewaltigen Umfangs und ihreshohen Niveaus über die Cäsars stellen wollte, dessen Kriegsberichte doch nurderkleine Ausschnitt einer ruhmvollen Existenz" seien und nur der Politikdienten, so übersieht man gerade ihren Mangel im Vergleich zum antiken Vor-bild: Cäsar war Weltmensch in seinen Kommentarien wie in seiner Politikund drückte überall sein ganzes Wesen und seine ganze Welt aus, FriedrichWar Privatmann in seinen Schriften und Weltmensch in seinen Taten und nurin seinen Taten ganz er selbst, ein tiefer Wirkungswille ... in seinen Schriftenbald ein mäßiger Gefühls- und Klugheitsreimer vom Schlage des Lamotheoder des Jean Baptiste Rousseau, bald einPhilosoph" aus der Schar der En-zyklopädisten, bald ein Memoirenschreiber wie Retz und Larochefoucauld,nur mit größerem Stoff, bald ein Lehrer der Kriegskunde wie Herzog vonRohan oder Folard, nur mit reicherer Erfahrung, immer gescheit und ge-wandt, nie ursprünglich und noch in der Wiedergabe eigener Erfahrung be-stimmt bald durch die Lehren, bald durch die Formen Voltaires, auch da, woer ihm widerspricht. Wenn man von Cäsar nichts besäße als seine Kommen-tarien, so bekäme man zwar nicht die volle Vorstellung seiner Art, aber keinefalsche . . dasselbe gilt von Napoleon, ja noch von Prinz Eugen und vonBismarck. Wären uns von Friedrich nur seine Schriften erhalten, und wirWüßten sonst nichts von seiner Gechichte, so stünde vor uns ein vielseitig an-geregter und begabter, erfahrener und überlegener, witziger und empfindsamer,°ft eitler und geschwätziger, oft zynischer und skeptischer Jünger Voltaires,der sich bis in die Kriegskunde hinein mit offenen Augen umgetan, aber keinle idenschaftlicher heroischer Dämon, und das war der wirkliche und der richtigeFriedrich. Das andere war zwar kein kleiner Ausschnitt aus seinem Gesamt-dasein, aber nur dessen dünner Firnis. Nur in einzelnen Briefen, meist aus den

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