In der militärischen Laufbahn war Guido ebenso sehr Eugens Gegner, als seinVetter, Graf Gundacker Starhemberg, der erklärte Antipode der politischenGrundsätze des Prinzen gewesen ist; aber Guidos Feindschaft glich nicht jenerGonzagas wider Montecuculi, Capraras wider Eugen, des Markgrafen Lud-wig von Baden wider Dünnewald und Marleborough, Dauns wider Laudon.— Unfähig, das beste des Dienstes kleinlichen Privatleidenschaften hinzu-opfern, weit erhaben über Ränke, Verkleinerung und Verfolgung, war dieFeindschaft zwei so edler Männer vielmehr ein Gewinn für den Staat, sie er-zeugte den rühmlichsten Wetteifer.
Die Anekdote ist bekannt, daß Eugen in den zwei ersten italienischen Feld-zügen Lust bekam, die Unerschrockenheit Guidos — von dem man zu sagenpflegte, er würde, wenn der Himmel einfiele, die Farbe nicht ändern — aufdie Probe zu stellen. Bei einer Tafel im Lager ließ er hinter StarhembergsSitz mit der nötigen Vorsicht einige Böller eingraben, mit dem Befehl, wenndes Kaisers Gesundheit ausgebracht würde, sie loszubrennen, daß Erde undSteine umherstäuben. Zugleich war in der Stille veranlaßt worden, daß dasGezelt in dem Augenblicke nach auswärts zusammenstürze und von allenSeiten die Feldmusik erschalle. Der Erfolg beschämte Eugen. Starhembergtrank, ohne sich nur umzusehen, das Glas ebenso langsam aus, wie er es anden Mund gesetzt hatte, und lächelte kaum. (Joseph Freiherr von Hormayr,Österreichischer Plutarch, 1807/1814.)
FRIEDRICH WILHELM I. UND SEIN HEER
Merkwürdig war das Verhältnis, in welchem König Friedrich Wilhelm I. zuseinen Offizieren stand. Er haßte und fürchtete von Herzen die schlaue Klug-heit der Diplomaten und der höheren Beamten: dem einfachen, derben, geradenWesen seiner Offiziere — das zuweilen eine Maske war — vertraute er leichtseine geheimsten Gedanken. Es war seine Lieblingsstimmung, sich als ihrenKameraden zu betrachten. Wer die Schärpe trug, den hielt er in vielen Stun-den für seinesgleichen. Alle Oberoffiziere bis zum Major herab, die er längereZeit nicht gesehen hatte, pflegte er bei der Begrüßung zu küssen. Einst schimpftee r den Major von Jürgaß mit dem Schmähwort, womit der Offizier damalseinen studierten Mann bezeichnete; der trunkene Major erwiderte: „Das sagte »n Hundsfott", stand auf und verließ die Gesellschaft. Da erklärte der König,er könne das nicht auf sich sitzen lassen und sei bereit, für die Beleidigung°*it Schwert oder Pistolen Vergeltung zu nehmen. Als die Anwesenden Ein-krache erhoben, fragte der König zornig, wie er denn sonst Genugtuungf ür seine beleidigte Ehre erhalten könne. Man fand das Auskunftsmittel, daßsich Oberstleutnant von Einsiedel, der des Königs Stelle beim Bataillon zuv ertreten hatte, statt seiner duellieren müsse. Das Duell ging vor sich, Ein-siedel wurde am Arm verwundet, der König füllte ihm dafür einen Tornister mitMalern und befahl ihm, die Last nach Hause zu tragen. — Und der König ver-faß sein Leben nicht, daß er als Kronprinz im Dienst nur bis zum Oberstenbefördert worden und daß ein Feldmarschall eigentlich mehr war als er selbst,deshalb bedauerte er in dem Tabakskollegium, daß er nicht bei König Wilhelm
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