Der Hauptzug im Gemälde seines Charakters war Gleichmut. Was diesenzu erschüttern drohte, behandelte er feindlich. Daher war er auch das treueBild eines deutschen Herrn aus des Meisters Herrmann von Salza schönererZeit, wo des Ordens Heldenfeuer von Jerusalem und Akkon, nun in Sizilien,nun vor den unbeständigen Ufern der Ostsee, in den naßkalten Wäldern derheidnischen Preußen herrlicher widerstrahlte. Daher die schwärmerischeTreue eines Ritters von der Tafelrunde in der Erfüllung der drei Gelübde, diein den Zeiten seines Ruhmes und seiner Macht des Ordens Grundfesten waren.Taub war er gegen die sanften Regungen der Frauenliebe. In der Mäßigkeit,diesem nicht geringern Zweige der größten Kunst des Lebens, der Kunst zuentsagen und zu entbehren, leuchtete er seinem Heere, das er mit strengerKriegszucht lenkte, als Beispiel voran.
Arm war er im Geiste der Ordensregel. Was er hatte, war der Armee, wardes Ordens hoffnungsvoller, jüngerer Ritter und der Soldaten, die ihn liebten,wie er sie. — Seine Sorgfalt in der Krankenpflege, die ihm so sehr die Herzender Truppen gewann, seine oftmaligen Besuche in ihren Spitälern, sein Ver-hältnis für die noch sehr schlecht bestellten Regiments-Apotheken atmenso rein den Geist der ältesten Ordenssatzungen.
So auch sein blinder Gehorsam, die Bescheidenheit, die sich selbst zwingt.Was man ihn hieß, führte er aus, das Größte und das Schwerste mit den ge-ringsten Mitteln. So in Italien, als (1703—1704) der Hauptschlag der Alliiertenwider Frankreich mit aller aufzubringenden Kraft anderwärts geschehen undder große Vendome den Hauptschlag Frankreichs wider den feindlichen Bundgleichwohl von Italien aus vollstrecken sollte; — so in Spanien. Mit wenigeneigenen Truppen, mit einem bunten Haufen von Briten, Holländern undPortugiesen, bei denen die erbauliche Einrichtung bestand, daß jede dieserdrei Nationen ihren eigenen Oberbefehlshaber hatte und jeder dieser drei Ober-generale der Reihe nach immer eine Woche lang das ganze Heer komman-dierte, — Generale, die (Peterborough ausgenommen, der den Spaniern ihrenCid, den Franzosen ihren Bayard wieder vergegenwärtigte) größtenteils keinenandern Zweck kannten, als die Befriedigung ihrer Ehr- und Habsucht, — vonallem Sukkurs abgeschnitten (denn das Meer und Frankreich umgeben Spa-nien, und von Portugal aus war seine Eroberung ebensowenig basiert), vonden Eingebornen außer Katalonien und Murcia überall angefeindet, so daß,als Guido nach dem Sieg bei Sarragossa den Erzherzog Karl in Madrid alsKönig ausrufen ließ, das Volk es gleichwohl wagte, zu schreien: ,Es lebePhilipp unser rechtmäßiger König 1" — in einer Lage mußte Starhembergunaufhörlich streiten, wo er durch den entscheidendsten Sieg niemals so vielgewinnen konnte, als er durch jeden geringeren Unfall verlieren mußte.Das ist der Riesenkampf mit Antäus, der oft zur Erde hingestreckt, immer mitneuen Kräften von der Erde wieder auferstand, und dieser Kampf war dieschwerste Arbeit, selbst dem Herkules.
Wie der Held eines Trauerspiels, welches durch die Darstellung des Streitessterblicher Kraft und irdischen Geistes gegen der Naturnotwendigkeit geheim-nisvolle Gewalt den Glauben an Halbgötter erneuert, — so trat Starhemberghervor aus diesem Kampf.
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