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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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Eugen als Staatsmann kommentiert am besten der Erfolg seiner Missionennach Savoyen, nach Hannover, Dresden, in den Haag, seine Ratschläge,den spanischen König Karl, die Großen, die Nation, alle Frankreich abgeneigt,durch schnelle Absendung des Erzherzogs Karl nach Madrid ganz für Öster-reich zu gewinnen, sein in Rastatt und Baden dargelegter Plan, Bayern gegenNeapel oder die Niederlande einzutauschen. Unter Eugens politische Eigen-heiten gehört sein durch die Memoires jener Tage längst bekannter heftigerWiderspruch im Staatsrate gegen die preußische Königswürde und gegen dieAnerkennung des Kaisertitels von Rußland. Seine Weissagung der Zerstücke-lung Polens, das nicht immer einen Sobiesky finden werde, fand ihre Be-stätigung schon in einem halben Jahrhundert nach seinem Tode.Wie treu hat er nicht gewarnt, der großen Theresia anstatt der zahlreichen(von Karl VI. mit den größten Opfern, mit der Liebe eines zärtlichen Vatersund eines edelmütigen Fürsten erworbenen) Garantien, vielmehr den Schatzgefüllt und die Armeen vollzählig zu hinterlassen. Der spanische Sukzessions-krieg war hierin für Eugen eine traurige Schule gewesen.Wissenschaft und Künste fanden an Eugen einen eifrigen Beschützer. Mittenim Getümmel des Krieges, im reißenden Lauf seiner Siege, im ernsten Sinnenüber die großen Angelegenheiten weihte er doch jeden Augenblick der Mußedem Studium der Alten, den Mustern der Historie, den Reizen der Dichtkunst.Er besaß einen edeln, geläuterten Geschmack. Die Künste, denen das Lebendas meiste von seiner Annehmlichkeit verdankt, sollten sich dachte ernicht im dürftigen Gewände zeigen, darum verband er dem Schönen diePracht.

Die erste vollständige, geschmackvolle Bibliothek in Wien hat er errichtet,an IS ooo Bände stark, womöglich lauter Prachtausgaben, grand Papier,alle gleich in rotem Maroquin gebunden von einem Franzosen, der in dieserKunst seinesgleichen nicht mehr gefunden hat. Eine Zeitlang stand ihr derDichter Baptist Rousseau vor. Sie war nach dem Crolliusschen System inTheologie, Jurisprudenz, Geschichte, schöne Wissenschaften, Wissenschaftenund Künste geteilt.

Groß war sein Reichtum an den ältesten Druckwerken, an schönen, durch dieÜppigkeit der Vergoldung und der Malerei ausgezeichneten Handschriften.Ihr Alter reichte jedoch nicht über das dreizehnte Jahrhundert hinauf, nurdie jetzt noch in der Hofbibliothek bewunderte peutingerische Tafel gehörtwahrscheinlich dem elften Jahrhundert an.

Der rühmlich bekannte Mariette legte des Prinzen vortreffliche Kupfersamm-lung an, aus der sich insbesondere die Porträts auch um ihrer historischenMerkwürdigkeit willen auszeichnen. Alle diese Schätze prangen nun in derHofbibliothek auf dem Josephsplatze, wo sie größtenteils in der Kuppel dieseswahrhaft kaiserlichen Musentempels die Statue Karls VI. umgeben.Minder reich, aber immer sehr interessant waren Eugens Münz- und Antiken-sammlungen. Nicht weniger bürgen für seinen Geschmack die Paläste aufden ungarischen Herrschaften Hof und Siebenbrunn, jener in der Himmelpfort-gasse in Wien (in welchem Eugen starb und jetzt die Hofkammer ihre Sitzungenhält) und die Anlage des Belvedere an der Südostseite der Stadt auf einer ge-

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