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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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das Prälegat aller Zöglinge der Einsamkeit, aller derer, die sich selbst gebildethaben. Durch widrige Umstände seines Hauses zum Domherrn bestimmtvon der gewaltigeren Natur zum Feldherrn berufen, gab er sich diesem Berufganz hin, mit Seele und Leben und mit jenem parteiischen Feuer, mit welchemnur jene Sachen verfolgt zu werden pflegen, in denen man nach langem hart-näckigen Widerstand endlich gleichwohl recht behalten hat. Kalt alles be-denkend, jedes wägend, entwarf er ohne Ruhe und Rast bereitete er-sehnen, kühn, hartnäckig, unerschütterlich durch einzelnen Unfall vollstreckteer seine Pläne. Einzig war er in der Kunst, den erfochtenen Vorteil zu ver-folgen, welches unstreitig die größte ist, denn selbst Hannibal hat nur zu siegenverstanden. Den Rat des Mindesten nicht verachtend, begrub er gleich-wohl den Plan jeder entscheidenden Unternehmung tief in seiner Brust biszum Momente der Tat. Unreife Publizität überhebt den Feind jeder Verlegen-heit, im Freunde erzeugt sie schädliches Grübeln, wo er nur eines mit ent-schlossener Mannskraft denken und treiben sollte. Kriegstaten müssen auseinem Stücke sein, sich nicht ankünden. Nach dem zermalmenden Blitzkommt erst der Donner.

Die ganze Armee liebte in ihm ihren Vater. Er hatte keine Mätressen, keineNepoten, keine Protektionen, aber das Verdienst durfte gewiß sein, von ihmerkannt und gewürdigt zu werden. Die Soldaten hielten sich für unüberwind-lich unter seiner Führung. Wo solches Vertrauen wohnt, da gehen einzelneUnglücksfälle vorüber, gleich Streifregen, auf die sogleich wieder der wohl-tätige Sonnenschein folgt. Was über den Krieg geschrieben worden ist,von Polyb, Xenophon und Cäsar, Onosander und Vegez bis auf den KaiserLeo, bis auf Macchiavel und Eugens Vorfahren Montecuculi, hat er von denfrühesten Knabenjahren an mit Leidenschaft durchdacht. Die Unternehmun-gen auf Cremona, auf Mailand, die treffliche Schule von Parteigängern, diesein Heer wirklich war, zeigte, daß er über diesen Zweig der Kriegskunst,der, ganz im Geiste der Alten, von vielen Neueren fast gänzlich verschmähtWorden ist, etwas Besseres und Reichhaltigeres selbst hätte liefern können,als die von ihm so oft gelesenen Frontin und Polyänus. Ein besonderes Stu-dium machte sich Eugen aus der Gemütsart, den Gaben, Leidenschaften, Vor-zügen und Schwächen seiner Gegner. So erriet er fast immer ihre Beschlüsse,wie der erfahrene Jäger und Landmann den Wechsel der Witterung fast immerrichtig weissagt.

Einzelne Trefflichkeiten hatten fast alle seine Vorgänger. Tapfer war Freunds-berg, Schwendi klug, Wallenstein des Heeres Abgott, Gallas erfahren, gelehrtMontecuculi Eugen war alles dieses zugleich und glücklich dazu. Die Ver-einigung großer Gaben und Gefühle macht den großen Mann.Nach dem Tage von Zentha waren die Türken nicht mehr furchtbar als Er-oberer. Dies Verdienst um die kultivierte Welt ist Eugens. Mercy, Monte-cuculi, Wilhelm von Oranien, der Fürst von Waldeck, Ludwig von Badenstanden dem großen Conde, Turenne und Luxemburg nicht ohne Ehre, aber°hne Glück gegenüber. Frankreich gebot fast unwiderstehlich. Ludwig den XIV.gezwungen zu haben, um Frieden zu bitten, dieses Verdienst um die euro-päische Freiheit ist gleichfalls Eugens.

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