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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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seines Lebens mag vorgezogen haben, so hätte sich jede damit beruhigen kön-nen, daß ihn keine einzige ganz gehabt hat. Wir sehen ihn in späteren Jahrenbeinahe mit ebenso wenigem Bedenken zum Kalvinismus übergehen, als erin früher Kindheit die lutherische Religion für die römische verließ. Gegendie spanische Tyrannei verteidigte er mehr die Menschenrechte der Pro-testanten, als die Meinungen; nicht ihr Glaube, ihre Leiden hatten ihn zu ihremBruder gemacht.

Diese allgemeinen Gründe des Mißtrauens schienen durch eine Entdeckunggerechtfertigt zu werden, welche der Zufall über seine wahren Gesinnungen dar-bot. Wilhelm war als Geisel des Friedens von Chateau-Cambresis, an dessenStiftung er mitgearbeitet hatte, in Frankreich zurückgeblieben und hatte durchdie Unvorsichtigkeit Heinrichs des Zweiten, der mit einem Vertrauten desKönigs von Spanien zu sprechen glaubte, einen heimlichen Anschlag erfahren,den der französische Hof mit dem spanischen gegen die Protestanten beiderReiche entwarf. Diese wichtige Entdeckung eilte der Prinz seinen Freundenin Brüssel, die sie so nahe anging, mitzuteilen, und die Briefe, die er darüberwechselte, fielen unglücklicherweise dem Könige von Spanien in die Hände.Philipp wurde von diesem entscheidenden Aufschlüsse über Wilhelms Gesin-nungen weniger überrascht, als über die Zerstörung seines Anschlags ent-rüstet; aber die spanischen Großen, die dem Prinzen jenen Augenblick nochnicht vergessen hatten, wo der größte der Kaiser im letzten Akte seines Lebensauf seinen Schultern ruhte, versäumten diese günstige Gelegenheit nicht,den Verräter eines Staatsgeheimnisses endlich ganz in der guten Meinung ihresKönigs zu stürzen. (Schiller, Abfall der vereinigten Niederlande, 1788.)

PRINZ EUGEN

Eugen war schön gebaut, aber von kleiner Statur, schwächlichem Ansehenund mager. Das ganze Gesicht und insbesondere die Nase sehr lang, das Teinteines Franzosen. Seine schwarzen Augen waren voll Ausdruck und bestän-diger Bewegung. Sein Gesicht eine vorzügliche Feldherrngabe überausscharf in der Nähe und Ferne.

Seine Kleidung war an Höfen und bei feierlichen Gelegenheiten überausprächtig, im Felde aber so einfach wie jene seines Zeitgenossen Karls XII.Er trug beständig einen kapuzinerfarbenen Überrock mit messingenen Knöpfen.Das Anspruchslose und Unahnsehnliche dieser Tracht machte, daß, als ervor der Schlacht bei Zentha in seinem vierunddreißigsten Jahre zum erstenMale als Kommandierender zur Armee kam, die alten Eisenfresser einanderins Ohr raunten:Dies Kapuzinerlein wird den Türken wohl nicht viele Haareaus dem Bart raufen!"

Um sich ein vollkommenes Bild davon zu machen, wie Eugen war, was er ins-besondere seinem Zeitalter und dem österreichischen Kaiserhause gewesen ist,müssen wir ihn im öffentlichen und Privatleben, seinen Geist und sein Herz,seine Sitten und seine Vergnügungen, wir müssen den Menschen, den Feld-herrn, den Staatsmann und den Gelehrten in ihm betrachten.In Eugen war von Kindheit an männlicher Ernst und Liebe zum Nachdenken,

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