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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
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die französischen Gesandten fragen, ob er unmittelbar nach dem Besuch beimpäpstlichen Nuntius ihren Besuch erwidern werde? Er stockte ein wenigda er wußte, welche Eifersucht um den höheren Rang zwischen den GesandtenFrankreichs und Spaniens waltete, dann antwortete er bejahend und äußertezugleich lächelnd, wie doch billig sei, Freunde zuerst, darauf die Gleichgültigenund zuletzt die Feinde zu besuchen. Genau merkten die Franzosen auf, wannder päpstliche Nuntius bei Trautmaunsdorf vorführe, und in demselben Augen-blick, wo jener hinwegschied, war ihr prachtvoller Aufzug in neun Kutschengegenwärtig. Diesen Besuch erwiderte zwar der kaiserliche Botschafter un-mittelbar, nachdem er beim Nuntius gewesen war; allein schon früher hatteer die spanischen Gesandten als Freunde besucht, die mit ihm Einem Hausedienten: und diese waren, die Franzosen schienen befriedigt.Den Eindruck, welchen Trautmannsdorf machte, konnten sich die diploma-tischen Geister kaum mit Bestimmtheit angeben. Sehr lang und nicht wohl-gebildet, mit tiefliegenden Augen, aufgezogener Nase und das Gesicht be-schattet von einer Perücke, erregte er zuerst vorzüglich bei den Franzosendie Empfindung des Lächerlichen; aber sein natürlicher Ernst, verstärkt durchein mehr als sechzigjähriges Alter, und sein prachtvolles Geleite von vielendeutschen Freiherrn und Rittern schlug dieses Gefühl sogleich nieder. Wenner zu reden anfing, entstand über die sanfte Anmut seiner Rede eine Verwun-derung, die Erstaunen ward ob der hellen Entwicklung der streitigsten Sachen,über den tiefen Verstand in seinem Urteil. War ein Geschäft begonnen, sobetrieb er es mit unablässigem Bemühen, und den einmal gewonnenen Punktder Vereinigung ließ er nimmermehr wieder sinken. Wo Rangstreitigkeiten,die wildesten Auftritte, häufig drohten, da ward es diesem Manne nicht un-glimpflich gedeutet, wenn er des Zeremoniells wenig achtete. Er war redlichund offen, niemals über die Linie der Klugheit hinaus. Die Gesandten derdeutschen Staaten faßten bald zu ihm ein Vertrauen wie zu einem Vater, undselbst die französischen Botschafter teilten die allgemeine Ansicht, daß nachseiner Ankunft der Friede zustande kommen und dem bedrängten Deutsch-land Ruhe geschenkt werden könne. (Karl Ludwig von Woltmann, Ge-schichte des Westfälischen Friedens, 1809.)

WILHELM VON ORANIEN

Wilhelm der Erste, Prinz von Oranien, stammte aus dem deutschen Fürsten-hause Nassau, welches schon acht Jahrhunderte geblüht, mit dem österreichi-schen ein Zeitlang um den Vorzug gerungen und dem Deutschen Reiche einenKaiser gegeben hatte. Außer verschiedenen reichen Ländern in den Nieder-landen, die ihn zu einem Bürger dieses Staats und einem gebornen VasallenSpaniens machten, besaß er in Frankreich noch das unabhängige FürstentumOranien. Wilhelm ward im Jahre 1533 zu Dillenburg in der Grafschaft NassauVon einer Gräfin Stolberg geboren. Sein Vater, der Graf von Nassau desselbenNamens, hatte die protestantische Religion angenommen, worin er auch seinenSohn erziehen ließ; Karl der Fünfte aber, der dem Knaben schon frühzeitigWohlwollte, nahm ihn sehr jung an seinen Hof und ließ ihn in der römischen

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