Reif an Gemüt und Kenntnissen betrat Maximilian von Trautmannsdorf als-dann die politische Laufbahn. Unter dem grillenhaften Kaiser Rudolf, welcherdie Politik vergaß, um der Natur Geheimnisse zu erjagen, und unter Matthias,welcher hochfahrend und feindselig seine leere Unruhe, wodurch er zum Re-gieren so untauglich wurde als jener durch seine träge Abgezogenheit, imVergleich mit dieser ungemeinen Unternehmungsgeist nannte, handelteTrautmannsdorf mit Beifall der Herrscher in den allerwichtigsten Geschäften,beide Kaiser, so ungleich sie waren, fühlten durch seine wissenschaftlicheBildung und besonnene Tatkraft verwirklicht, was ihnen unstet und uner-kannt vorschwebte. Allein erst unter Ferdinand IL, dem arbeitsamen, kennt-nisreichen, wahrhaftigen Kaiser, leuchteten die Gewalt und Besonnenheitim Handeln, die Vielseitigkeit und Gelehrsamkeit, die Treue Maximiliansvon Trautmannsdorf in ihrem ganzen Umfang, und die Zeit des DreißigjährigenKrieges nahm auch die größten Tugenden und Fähigkeiten zu ihrem Bedürfnisin vollen Anspruch. Ferdinand, so eifrig für den katholischen Glauben, gabdem Grafen sein ganzes Vertrauen, wiewohl ihn, welcher, erzogen in der evan-gelischen Lehre, zur römischen Kirche übergetreten war, die Geistlichen mitbesonderem Mißtrauen ansahen.
Kein trefflicheres Geschenk wußte der sterbende Kaiser seinem Sohne, Fer-dinand III., zu hinterlassen, als diesen vertrautesten geheimen Rat.-------
Darüber waren die Unbefangenen einig, daß sich die beiden Parteien nurdurch Trautmannsdorf nähern und wenigstens zu einer anscheinenden Ver-söhnung verstehen würden, und deshalb vernahmen sie jetzt mit dankbarerRührung, daß er nicht fürchte, die Nähe des Kaisers zu verlassen, wiewohler überzeugt sei, die Spanier und ihr Anhang würden alles tun, während seinerEntfernung das Vertrauen Ferdinands zu ihm zu schwächen; er fühlte mit ge-rechtem Selbstbewußtsein, daß er unentbehrlich sei und entbehren könne.Als er zu der Friedensversammlung abgehen wollte, empfing er weit aus-gedehntere Vollmacht als die Gesandten seines Hofes hatten, welche daselbstschon jahrelang vergeblich arbeiteten. Der Kaiser schrieb ihm mit eigenerHand die Urkunde seines geheimen Willens in Rücksicht auf die Friedens-handlung. Natürlich wünschte das Oberhaupt des Reiches wieder sämtlicheGlieder desselben an sich zu ziehen und in Einen großen Körper zu verbinden,welcher mit ihm den Franzosen und Schweden entgegenstehe und die über-mütigen Fremdlinge aus Deutschland verdränge, und wirklich schien es, daßder vielerfahrene geheime Rat in diesen Gedanken eingehe; denn auf seinerganzen Reise ließ er das Gerücht sich verbreiten, wie er beauftragt sei, alleStaaten des Reichs zu befriedigen und zwischen ihnen und dem Kaiser Aus-söhnung und Verein unverzüglich zu stiften, wenn sie nicht alle Billigkeit ab-geschworen hätten.
Mit der höchsten Spannung erwartete man in der Friedensversammlung dieAnkunft des neuen kaiserlichen Botschafters. Am vorletzten Tage des No-vembermonats hieß es plötzlich: Trautmannsdorf sei in Münster gegenwärtig-Er hatte keinen feierlichen Einzug gehalten, um nicht sogleich in die Zänke-reien wegen streitigen Ranges zu geraten, welche bisher die Friedensbemühun-gen gestört hatten. Allein kaum war seine Ankunft gemeldet: so ließen ihn
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