Die Fahne tragen war aber nicht nur ein wichtiges Amt, es war auch eine Kunst,welche Kraft, Gewandtheit und lange Übung erforderte. Denn das „Fahnen-spiel" hatte schon vor dem Kriege den Soldaten viele bedeutsame Zeichen ge-geben; in den Kriegsjahren und unmittelbar nachher erhielt es weitere Aus-bildung; deutscher, italienischer, französischer und spanischer Brauch ver-banden sich; es gab Ober- und Unterhiebe, Prassaden, Stockaden, Kavadendas vollkommene und das verkehrte Rosenbrechen und andere kunstvolleSchwenkungen; ob das Tuch ganz, ob halb fliegen, ob es über die Stange laufenoder sich wie Wasserwellen bewegen durfte, alles war vorgeschrieben. Undzu vielen Schwenkungen der Fahne gehörten entsprechende Tritte und Bie-gungen des Körpers. Im Zirkelschwung drehte der Fähnrich die Fahne umdas Haupt, er schwang sie zur rechten und linken Hand, in seinen Rücken,ja nach vorn und hinten durch die Beine; er warf die Stange in die Höhe,schoß, während die Stange in der Luft schwebte, sein Pistol ab oder zog denDegen, fing die Fahne dann wieder auf, schlug das Tuch von hinten um sich,stand majestätisch halb vom Tuch verhüllt, steckte den Degen zierlich wiederein und machte Reverenz, indem er beide Knie beugte. Diese Bewegungenwaren aber nicht allein um der Schönheit willen da, durch sie wurden seit demKriege auch die Marschweisen und einzelne Signale der Truppe vorgeschrie-ben; deutscher Marsch, Burgundermarsch, alter Schweizermarsch; denn dieSpielleute der Kompanie blickten auf den Fähnrich, sein heroisches Wesengab ihnen die Aufforderung. Bis zum Anfang des vorigen Jahrhunderts wardas Exerzieren mit der Fahne eine beliebte Turnübung der adligen Jugend,noch Ludwig XIV. stiftete für den Dauphin einen besonderen Kinderordenvom Pavillon. Seitdem ist die werte Kunst fast verloren, die letzten Über-lieferungen dauern in einigen entschlossenen Bewegungen des heutigen Tam-bourmajors, das „Fahnenspiel" schwindet jetzt selbst im Zirkus der Kunst-reiter, unter denen sich dieser Brauch der Landsknechtsheere am längstenerhalten hat. (Gustav Freytag, Bilder aus der deutschen Vergangenheit,1859/1867.)
MAXIMILIAN VON TRAUTMANNSDORF
Also war zu Münster und Osnabrück, wegen der verwickelten Fehden, die dortgeschlichtet werden sollten, wegen der Persönlichkeit der Gesandten, dasFriedensgeschäft noch nichts als ein Chaos, das schon jahrelang lastete undimmer düsterer wurde, als die Nachricht erscholl, daß der kaiserliche Hofnoch einen Gesandten zu den Friedensunterhandlungen abgeordnet habe,den Grafen Maximilian von Trautmannsdorf. Ein Sonnenblick ging sogleichüber das unglückliche Deutschland.
Vor allem besaß dieser Botschafter Ansehen in den österreichischen StaatenUnd das Vertrauen seines Hofes. In seiner Jugend voll Fleiß für Wissen-schaft und herrlicher Tugenden, welchen er durch Verkehr und Anschau-ung in fremden Ländern die fruchtbarste Richtung für das Leben gab, hattee r die ersten männlichen Jahre dem Kriegsdienste geweiht, weil ohne denselbendie Tatkraft nicht vollendet werden mag, so wenig wie der Staatsmann ohneKunde vom Kriegswesen.
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