geltend zu machen, seine Macht und die Bedeutung seines Hauses zu gründenund die alten Feinde zu seinen Füßen zu sehen. (Leopold von Ranke, Ge-schichte Wallensteins, 1869.)
PAPPENHEIM
Pappenheim, nach erfülltem 16. Jahre schon Reichshof rat, folgte lieber demRufe des heißkochenden Blutes, das ihm bei der Geburt zwo rote kreuzweiseStriemen gleich Schwertern auf die Stirne gezeichnet, aus denen der Aber-glaube schon damals seinen Kriegsruhm weissagte. Er ward darauf demSchwedenkönige durch mehrere Züge der höchsten Bravour als Volontär impolnisch-russischen Kriege bekannt. In der Prager Schlacht ward er untereinem Haufen Toter, nach einem vollen halben Tage durch einen zufälligVorübergehenden, der noch einige Lebenszeichen an ihm bemerkte, gerettet,darauf Bezwinger der rebellischen Bauern ob der Enns, viel gebraucht unterWallenstein mit dem Degen und bei Unterhandlungen, von Gustav Adolfvorzugsweise mit dem Namen ,,des Soldaten" beehrt, von diesem und an-deren Gegnern oftmals aufgesucht im Gewühle der Feldschlacht, sich mit ihnengleich Homerischen Helden zu messen, kühn und stürmisch über alle Maßenund dabei von blödem Gesicht, ohne höhere militärische Bildung, durchausnicht zur Leitung eines großen gediegenen Ganzen geeignet, aber nach Um-ständen ein vortreffliches Werkzeug. Wie gelebt, so gestorben; denn als erein Jahr nach diesem Tage von Leipzig, den Kanonendonner von Lützen hö-rend, eines Trabes von Halle herbei auf den blutigen Walplatz kam, das Ge-fecht wiederherstellte, von zwei Musketenschüssen schwer getroffen, GustavAdolfs Tod vernahm und durchaus noch einmal aufs Pferd wollte, verbluteteer, von den Seinigen mit Gewalt in seine Kutsche gebracht, an dem heftigenFreudenruf: „Gottlob, so kann ich in Frieden fahren, weil dieser Todfeinddes katholischen Glaubens doch noch vor mir aus der Welt hat müssen!"-— Über hundert Narben zählte man an seinem Körper. (Joseph Freiherrvon Hormayr, österreichischer Plutarch, 1807/1814.)
DER FÄHNRICH UND SEINE FAHNE
Die Fahne des Fußvolkes, das Heiligtum der Kompanie, hatte kaum die Stan-genlänge der unseren, aber ihr Seidenstoff reichte wie ein großes Segel fastbis zum Ende der Stange; es war schwerer Stoff, nach damaligem Zeitgeschmackmit aufgemalten allegorischen Bildern und kurzen lateinischen Sinnsprüchenschön verziert. Die „Cornete" der Reiterei, zuweilen ausgezackt, waren klei-ner und wurden an der Stange befestigt wie unsere Fahnen. Nach der Fahnen-farbe wurden nicht selten die Regimenter benannt, zum Beispiel bei den Kur-sachsen, wo der Fahnengrund immer zweifarbig war: das schwarz und gelbe,blau und weiße, rot und gelbe Regiment; dann hatte von den zehn Fahnendes Regiments jede besonderes Inzeichen nebst Wahlspruch und verschiedeneVerbindung derselben Regimentsfarben: geflammt, gestreift, in Rauten, dochdie Haupt- oder Leibfahne wies zuweilen die Regimentsfarben nur im Saum.Im Ringe der geworbenen Kriegsleute wird das Fähnlein an die Stange ge-
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