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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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daß man ihn als Triumphator malte, seinen Wagen von vier prächtigen Sonnen-rossen gezogen.

Er war kein Freund von Zeremonien; wie oft unterbrach er lange, von Äuße-rungen der Untertänigkeit angeschwellte Anreden deutscher Gesandten; erspottete der tiefen Reverenzen, wie sie damals am römischen Hofe gang undgäbe wurden; aber er liebte von Anfang an den Pomp einer prächtigenUmgebung. Seine Pagen, die er gern aus den vornehmsten Geschlechternnahm, erschienen in blauem Samt, wie mit Rot und Gold auf das prächtigsteangetan, so war seine Dienerschaft glänzend ausgestattet; seine Leibwachebestand aus ausgesuchten Leuten von hoher und schöner Gestalt; er wolltebesonders, seit er Herzog von Mecklenburg geworden war, durch die Äußer-lichkeit eines fürstlichen Hofhaltes imponieren. Er lebte mäßig; aber seineTafel sollte auf das trefflichste bedient sein. Es gehörte zu seinem Ehrgeiz,wenn er sagen konnte, daß einer und der andere seiner Kämmerer in kaiser-lichen Diensten gestanden. Niemand bezahlte reichlicher.Er hatte sich in Italien die Sitte und Art der gebildeten Welt angeeignet. Unteranderem weiß man, wie sehr er die Damen des Hofes zu Berlin, als er einstdaselbst erschien, einzunehmen wußte; von den Anmaßungen, die einige seinerObersten vor sich hertrugen, war bei ihm nicht die Rede.

Aber wehe dem, der ihn in Zorn versetzte! Wie in seiner Jugend, so in seinemAlter, war er dann seiner selbst nicht mächtig; er war wie mit Wut erfülltund schlug um sich; man ließ ihn toben, bis es vorüber war. Man bezeichneteseinen Zustand mit dem oberdeutschen Ausdruck Schiefer; er kannte ihn wohlund suchte die Anlässe, die ihn hervorriefen, zu vermeiden.Er liebte die Aufregung des Gesprächs, in welchem sich leidenschaftlicheAufwallungen eines leichterregten Selbstgefühls Luft machten; die fernstenAussichten erschienen als gefaßte Entwürfe, die momentanen Ausfälle alswohlbedachte Feindseligkeiten. Von denen, die ihn kannten, wurden sieals das, was sie waren, mit dem Worte Boutaden bezeichnet; in die Ferne ge-tragen, machten sie vielen Eindruck.

Jedermann, der in seine Nähe kam, litt von seiner Launenhaftigkeit, seinemzurückstoßenden Wesen, seinem gewaltsamen, rücksichtslosen Gebaren. SeinRuf schwankte zwischen zwei Extremen: daß er das wildeste Untier sei, wel-ches Böhmen hervorgebracht habe, oder der größte Kriegskapitän, dessen-gleichen die Welt noch nicht gesehen.

Sein Antlitz erscheint, wie es die bestbeglaubigten Bilder darstellen, zugleichmännlich und klug; man könnte nicht sagen groß und imposant. Er warmager, von blasser, ins Gelbe fallender Gesichtsfarbe, von kleinen, hellen,schlauen Augen. Auf seiner hohen Stirn bemerkte man die Signatur derGedanken, nicht der Sorgen: starke Linien, keine Runzeln; früh ward er alt;schon in den vierziger Lebenjahren erbleichte sein Haar. Fast immer litt eram Podagra. In den letzten Jahren konnte er nur mit Mühe an seinem spa-nischen Rohre einherschreiten; bei jedem Schritt sah er um sich.Aber in ihm lebte ein feuriger Impuls zu unaufhörlicher Bewegung, Unter-nehmung, Erwerbung; durch seinen Gesundheitszustand nicht allein nichterstickt, sondern eher angereizt, der ehrgeizige Trieb, sich nach allen Seiten

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