modernisiert gewesen wäre. Erfreulicherweise sind uns aber noch einige treff-liche Zeugen des Mittelalters erhalten geblieben.
Wenn Wolf Dietrich in seiner bekannten Ruhmessucht die Absicht gehabt hat,durch die durchgreifende Veränderung der Stadt sich und seinem Namen füralle Zeit ein Denkmal zu setzen, so hat er diesen Zweck zweifellos glänzenderreicht; denn wer denkt nicht bei Betrachtung der Stadt an ihn? Wäre voll-ends der projektierte Dom mit seinen riesigen Dimensionen aufgeführt wor-den, wer wollte dann der ohnehin schon viel gebrauchten Bezeichnung vonSalzburg als dem „deutschen Rom" die Berechtigung absprechen? (AntonEckardt, Die Baukunst in Salzburg während des XVII. Jahrhunderts, 1910.)
WALLENSTEIN
Wallenstein sah es gern, wenn große Herren in seinen Dienst traten; aberauch Kaufmannssöhne — wie besonders erwähnt wird —, frühere Juwelen-händler, Emporkömmlinge selbst aus der dienenden Klasse waren ihm will-kommen. Selbst auf Körpergröße gab er nichts; nur auf die Fähigkeit, denDienst auszuhalten, kam es ihm an; mochten dann die Schwachen zugrundegehen. Er kannte nur den militärischen Rang, in welchem er weitere Ab-stufungen einführte. Er liebte es, neue Regeln zu geben; selbst der Schlag derTrommel wurde verändert. Bei dem Gemisch der Nationen, Bekenntnisse,Stände war das unverbrüchliche militärische Gesetz ein doppelt unbedingtesBedürfnis der Schlagfähigkeit. Die kleinsten Fehler — wie Eigenmächtig-keiten in der Kleidung — wurden bestraft, wie man sagte, um größere zuverhüten. Wenn man im Felde stand, ward etwas mehr nachgesehen, dochnichts, was die Unterordnung hätte gefährden können. „Ich will nicht hoffen,"sagte er auf einlaufende Klagen, „daß einer unserer Offiziere sich so weit ver-gessen hat, unsere Ordonnanzen zu despektieren." Dem Markgrafen Wilhelmvon Baden-Baden ward in den herbsten Worten verwiesen, daß er sich „dessenanmaße, was ihm nie anbefohlen worden sei". Eine Beförderung ist wohl des-halb versagt worden, weil die neue Stellung den Ansuchenden seiner Gemüts-art nach zu Handlungen verleiten würde, um deren willen man ihm den Kopfvor die Füße legen müßte. Die Ausschreitungen, an denen es freilich nichtfehlte, sollte kein Oberer ungeahndet lassen; Nachsicht hierbei fand Wallen-stein sträflich und drohte, es mit Exekution an Leib und Leben zu ahnden.Plündernde sind auf der Stelle gehenkt worden. Von Schonung wußte ernichts, weder im Dienst, noch vollends dem Feinde gegenüber. Den Antrag,den ihm einst König Gustav Adolf machte, nach dem Vorgang der niederlän-dischen Kriege eine Übereinkunft zu schließen, daß bei einem Zusammen-treffen mit sehr verschiedenen Streitkräften die schwächere Partei sich ohnezu schlagen ergeben dürfe, verwarf er mit den trotzigen Worten: „Sie mögenkombattieren oder krepieren." Das oberste aller Verdienste war bei ihm tap-feres Verhalten; nur dadurch erwarb man sich persönliche Rücksicht. WiePiccolomini die entschiedene Gunst des Generals hauptsächlich der Tapfer-keit verdankte, die er an der Spitze seiner Reiterei in der Schlacht von Lützenbewiesen hatte, so erwarben sich der Kroatengeneral Isolani bei einem Angriff
Il6