Druckschrift 
4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen
 

liehen Jüngling nicht ausbleiben, da er in Rom, wo er das Collegium Germa-nicum besuchte, Prachtbauten jeder Art in Hülle und Fülle vorfand, die Re-naissance in ihrer vollsten Reife bewundern konnte und überdies die herrlichePeterskirche ihrer Vollendung entgegengehen sah. Kein Wunder, wenn dieitalienische Renaissance sein Ideal wurde, und wenn er, nachdem er zum Bischoferwählt war, sich ebenfalls einen großartig angelegten Fürstensitz träumtemit großen Palästen, freien Plätzen und einem erhabenen, mächtigen Dom.Hier nun zeigt sich seine Zähigkeit und Energie, sein geradezu eigensinnigesFesthalten an einem gefaßten Beschlüsse: er nahm sich vor, nach dem Eben-bilde Roms aus Salzburg einen glänzenden Bischofssitz in italienischer Re-naissance zu machen, also konnten ihn keine noch so großen Schwierigkeitenabschrecken, alles zur Verwirklichung dieses Planes aufzubieten. Wenn ihmdie Erreichung des Zieles nur zum Teil gelang, so ist daran hauptsächlich dieimmer schwieriger werdende Geldfrage, aber auch er selbst schuld, der sichnach und nach alle Hilfsfaktoren durch seinen Egoismus verfeindete: Bayernund Österreich, das Domkapitel und die Untertanen.

Die Geldmittel reichten nicht aus, weil seine Verschwendungssucht ihn ander konsequenten Verfolgung des Planes hinderte. Eine Unzahl wertvollerGeschenke, hauptsächlich an die Mitglieder seiner Familie, verschlang ebensowie seine große aus Motiven der Eitelkeit hervorgegangene Wohltätigkeitund seine soldatischen Neigungen kolossale Summen, nicht minder seineglänzende Hofhaltung bei der Anwesenheit hoher fremder Gäste. Wolf Diet-rich gefiel sich darin, für den reichsten unter den Kirchenfürsten Deutsch-lands zu gelten. Er mußte also fortwährend darauf bedacht sein, die Einnah-men zu erhöhen. Da aber die Salzausfuhr, die Haupteinnahme des Stiftes,auch nach wiederholter Zollerhöhung bei weitem nicht reichte, um seine Be-dürfnisse zu befriedigen, so führte er eine Reihe besonderer Steuern ein undtrug auch nicht Bedenken, diese gewaltsam einzutreiben. Dadurch machteer sich allüberall mißliebig, und die zahlreichen Bauten, die er mit dem Geldeaufführte, fanden infolgedessen weder beim Kapitel, noch bei der BevölkerungBilligung. Dabei war Wolf Dietrich weit entfernt, aus eigenem Vermögenzur Bestreitung der Baukosten beizusteuern, im Gegenteil, er bereicherte sich,Wo es möglich war, persönlich aus den eingetriebenen Geldern.Für Salzburg bedeutet seine Bautätigkeit eine vollständige Umwälzung. Dasspießbürgerliche Aussehen der hochgiebeligen mittelalterlichen Wohnhäuser,der ernste Charakter der alten Kirchen entsprachen nicht dem durch die lebens-sprühende Renaissance in Rom verwöhnten Geschmacke Wolf Dietrichs.Er ließ daher ganze Stadtviertel niederreißen und führte neue Häuser auf,legte Plätze an, errichtete Paläste, nahm nach der neuen Stilweise Verände-rungen in Kirchen vor, ließ mehrere Kirchen niederreißen, baute andere neuauf und trug sich zuletzt mit dem Gedanken, Salzburg einen großartigen Domnach dem Vorbilde von Pt. Peter zu geben. Hierin kam ihm der Brand desalten Domes im Jahre 1598 zu Hilfe, und es erfolgte nach der Niederlegung desalten in der Tat die Grundsteinlegung für den projektierten neuen Dom imJahre 1611. Bei längerer Regierungsdauer wären zweifellos noch andere Ver-änderungen in der Stadt vorgenommen worden, bis sie schließlich vollständig

8*

"5