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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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Gottesmutter löschte sie aus; die heiligen Banner zerriß sie: ihr galten nurGelübde, wie jeder Tag sie neu formte. Ihre Heere waren gemischt aus Gläu-bigen und Räubern. Sie hatte den Himmel verheißen und zugleich die Erde.Nur wenig Auserwählten war ihre Weihe erschlossen; halbverstandenenSprüchen entnahm die Menge nur das Gemeine, das ihr verwandt war.Wie überall, so ging auch hier im Lande die Saat der neuen Lehre am frühestenin den Städten auf: der Begriff bürgerlicher Freiheit, bürgerlich-starrsinnigerSelbstsucht fand an dem irdischen Prinzipe der Reformation ein innig ver-wandtes Moment, doch war auch der Adel bereits ergriffen von der Bewegung,und unaufhaltsam von unten her schien sich die Auflösung der livländischenKonföderation anzukündigen, denn nicht lange mehr hätten die Herren ver-mocht, wider die Strömung anzukämpfen: sie mußten ihr folgen oder unter-gehen.

Solcher Gemeinschaft, solcher Gewohnheit gehörte der alte Meister selbst an.Sein Geburtsland hatte ihn dazu erzogen, seine zweite Heimat zu hohen Wür-den erhoben und im Gefühle derselben Traditionen befestigt. Er war nicht derMann, das Gesetz zu brechen, das in ihm lebte. Er war auch der Tor nicht,an das Wunder zu glauben, daß derselbe Hammerschlag den Bau zu stürzenund zu erneuern vermöchte. Das Maß seiner Wirkung fand er unabänderlichgezogen: mit den Mitteln, welchen er gebot, konnte er nur erhalten oder zer-stören. Er wurde Erhalter.

Und nicht nur Erhalter. Selbst unter den spärlichen Zeugnissen seiner Zeitfehlt es an Merkmalen nicht, daß er weiterzubauen gedachte. Ohne Aufsehenund Lärm, ohne Hast und Überstürzung sieht man ihn unablässig einenPlan verfolgen.

Und allerdings liegt es in seinem Plan, Herr des Landes zu werden. Tiefer alsdie hadernden Parteien, ausdauernder als die heißköpfigen Freunde, fühlt erdas Bedürfnis einheitlicher Macht.

Nur daß sie ihm Mittel, nicht Zweck ist. Nur daß er kein Ziel kennt, als dasWohl des Landes. Nur daß er nicht zaudert, das Werkzeug zu zerbrechen,sobald es sich wider das Ziel empört und wider den Meister. Das ist der Schlüsselzum Verständnis des Mannes.

Von Phase zu Phase schreitet er selbstbewußt vor. In blutigen Schlachtenwehrt er den gefährlichsten Feind ab. Dann ergreift er kräftig die Verwaltungdes Landes. Frühe ist er entschlossen, die Oberhoheit des Erzbischofs nichtzu dulden: als Gleicher stellt er sich ihm gegenüber. Mit Milde und Ernstversöhnt er unermüdlich die Parteien, Das Zerwürfnis der Zeit, die eigeneWürde und Weisheit sichern ihm ungesucht das Amt des Vermittlers, desRichters. Die Reformation kommt ins Land, den Erzbischof bedroht sie mitvölligem Sturze, dennoch bleibt Plettenberg seiner Aufgabe getreu; so lebhafter der neuen Lehre sich zuneigen mag, sicheren Auges ermißt er die Gefahrumstürzender Neuerung; nicht tritt er ihr in den Weg; er dämmt sie ein; errettet den Feind, aber bewahrt auch das Land: und reinigt und tränkt sie, stattzu zerstören. So tritt er in die dritte Phase. Unterdes hat er vom Hochmeisterdie Oberhoheit über Harrien und Wirland erworben. Als in Preußen derOrdensstaat fällt, entzieht er sich nicht dem Gesetze des Ordens, doch gibt

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