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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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nen. Er nahm sich mit auswärtigen Gesandten sehr wohl zusammen; wenner früh mit Sekretären und Staatsräten den Geschäften obgelegen, zog er sichhäufig des Nachmittags zu den Studien zurück. Er erwarb hierin das Lob, nachdem er strebte: doch auch das stellte sein Herz nicht zufrieden. Seine ganzeSeele, unerfüllt von dem, was ihm täglich gewährt, unbegnügt mit dem,was ihm bereits gelungen war, trachtete dürstend nach größerer Ehre. Erredete von nichts als von Kriegstaten und Siegen. Er behauptete, er würdesich aus dem Fenster stürzen, wenn er sähe, daß jemand lebe, dem mehrnach Ruhm verlange als ihm. Sein Spruch war:Wer nicht vorwärts strebt,geht zurück." (Leopold von Ranke, Fürsten und Völker von Südeuropa im16. und 17. Jahrhundert, 1827.)

WOLTHER VON PLETTENBERG, HEERMEISTER IN LIVLAND

Am weitesten ist Wolther von Plettenberg als Russensieger bekannt. Wie erdie feindlichen Heere in zwei Jahren zweimal schlug: die sagenbildendePhantasie hat mit Vorliebe dieses Stoffes sich bemächtigt. Man sieht ihn mitseiner kleinen Schar unerschrocken ausziehen; während draußen die Russensich sammeln, betet er in der Kapelle bei Maholm, dann bricht er auf und wirftsich unter die Feinde. Vom Morgen bis spät in den Abend währt der Kampf.Tagelang fließen auf der Walstatt die Bäche von Blut gerötet. Das Jahr daraufsteht er auf russischem Boden; noch kleiner ist das Häuflein der Seinen; tod-müde kämpfen sie zuletzt auf den Knieen und siegen. Da ist der Trotz desGroßfürsten von Moskau gebrochen; er selber es ist unerhört sendet umFrieden; alles, was der Sieger vorschreibt, beschwört er: so erkämpft derMeister seinem Lande ehrenvolle Ruhe auf fünfzig Jahre und löst seine Ge-lübde.

Ihm war es nicht gegönnt, erdrückende Aufgaben spielend zu lösen: nicht fürglückliche Zeiten war er geboren. Mitten im Jammer seines Geschlechts ranger den schweren Kampf, wo alles den Einsturz drohte, unerschüttert aufrechtzu stehen; nicht zu verzweifeln, wo alles Ringen fruchtlos erschien. Diebittere Weihe zu diesem Geschicke hat er frühe empfangen. Von wenig Ge-treuen gefolgt, in der Mitte gemieteter Knechte mußte er den Streit der Minder-heit gegen erdrückende Überzahl kämpfen. Zweimal hat er gesiegt, beideMale sind die Russen gewichen. Allein unfruchtbar blieben auch die glänzend-sten Siege. Man sehe Livland und Rußland im Kampfe: die kleine Kolonie,im Rücken das Meer, zweideutige Nachbarn an den Flanken, an Hilfsmittelnarm, an Männern nur zu leicht erschöpfbar, den unermeßlichen Gegner mitunerschöpflichen Horden im Antlitz. Für tausend Erschlagene brachte dasnächste Jahr zehntausend ins Feld, das dritte zehnmal zehntausend. WarPleskow verwüstet, so warfen Twer und Moskau ihre Scharen vor und vomDniepr bis zur Wolga ritten wie verheerende Wolkenbrüche die Tartaren heran.Unsterblichen Ruhm hatte der Held sich erstritten und doch keinen Frieden.Als Gnadengeschenk hat er ihn sich von den Polen müssen erbetteln lassen,und, während diese, an allen Enden geschlagen, mit dem Zaren selber ver-handeln, werden die Boten des Russensiegers verächtlich nach Pleskow und

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