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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
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er früh verloren; von Angesicht sah er blaß; in seinen Zügen war hoher Ernst;aber sobald jemand mit ihm reden wollte, erweckte er Zutrauen durch zu-vorkommende Freundlichkeit. Sowohl in Zeiten, als er mit geringer Machtgroße Geschäfte tat, als da ihm nachmals die Menge öffentlicher Sorgenoblag, war Rudolf muntern, ruhigen Geistes und gefiel sich in Scherz. ImLeben liebte er die Einfalt; köstliche Speisen er nie, noch mäßiger war erim Trinken; im Feld hat er wohl eher mit roten Rüben seinen Hunger gestillt.Er pflegte einen blauen Rock zu tragen; mit jener Hand, welche zu vierzehnSiegen den Befehlsstab geführt, haben die Kriegsleute ihn sein Wams flickensehen. Es ist aufgezeichnet worden, daß er Frau Gertruden, seiner Gemahlin,von der er zehn Kinder gezeuget, nicht allezeit getreu gewesen, aber er genoßder Lust, ohne ihr zu dienen; daher ihm nie, weder zur Arbeit noch zur Freude,

Zeit und im hohen Alter zu keiner Kriegstat Gesundheit fehlte.--------

Den Thron, welchen in dreiundzwanzig Jahren kein König behauptet hatte,besaß er achtzehn Jahre und brachte den Landfrieden auf. Mit ernster Sanft-mut regierte er als Vater des Volks; an der Spitze des Heers bewies er dievorige Verachtung des Todes; im Umgang dieselbe Verachtung des Geprängs,als da er in einem Dorf bei Basel einen wohlhabenden Gerber besucht, um sichmit ihm des häuslichen Glücks zu freuen. Er sagte zu den wachthabendenKriegsleuten, welche einen armen Mann verhinderten, vor den König zu kom-men:Bin ich denn König, um verschlossen zu sein?" Den Zöllnern schrieber:Das Geschrei der Armut ist vor meine Ohren gekommen; die Reisendenzwinget ihr zu Auflagen, die sie nicht bezahlen sollen, zu Lasten, die sie nichtertragen. Haltet eure Hände zurück von dem unrechten Gut und nehmet,was euch zukommt. Ihr sollt wissen, daß ich alle Sorgfalt und Macht anwen-den werde für Frieden und Recht, unter allen die köstlichsten Gaben des Him-mels." (Johannes von Müller, Geschichten schweizerischer Eidgenossen-schaft, 1780.)

ALBRECHT I. UND ADOLF VON NASSAU

An Geist und Kraft stand Albrecht seinem königlichen Vater nicht nach. DenKrieg, in dem dieser durch hellen, natürlichen Verstand und freudige Ent-schlossenheit siegte, führte er mit größerer Kenntnis der großen Erforder-nisse desselben, mit Erfindungsgeist und nie gebeugter Unerschrockenheit.Sein Gemüt war äußerst leidenschaftlich und heftig, aber (nach langem Kampfund aus tiefer Berechnung) gewaltsam verschlossen, kalt und strenge. Fröhlich-keit haßte er an sich selbst, wie an andern, und wollte nur, daß jeder ebenso stilleund abgemessen seinen Weg gehe und seine Untertanspflichten erfülle, wennAlbrecht ihn aufrief zur Steuer oder zur Heeresfolge in seine Fehden. DerKriegsmann sollte tapfer, gelehrt der Priester, die Weiber züchtig sein undnichts anders, jeder nur das stumme, blind gehorchende Werkzeug in seinergewaltigen Hand. Er allein sollte wissen: wie, wohin, wozu, warum?Nicht die Kirche und ihre Häupter vermochten etwas über seine Standhaftig-keit; den Glauben ehrte er aus redlicher Überzeugung, und weil der Glaubeda, wo seine Gesetze nicht hindringen konnten, im innersten Gemüt, auf-

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