Rechte, zum Beispiel auf das Reich Jerusalem, für verlustig und sprach die Ex-kommunikation über ihn aus, auf daß er zunichte werde, wie herabrinnendesWasser, wie aufsteigender Rauch! Er spricht das Interdikt über alle Städteaus, welche ihn oder seine Begleiter aufnehmen würden. Es ist nun fast zumErstaunen, daß Konradin doch noch so viel Anhang fand. An den Bergen vonTagliacozzo hatte sich Karl von Anjou aufgestellt. Er wollte vor allem die Ver-bindung Konradins mit den Sarazenen verhüten. Es kam dort am 23. August1268 zu einer Schlacht, wie jene Ottos II. gewesen war. Die Truppen Kon-radins schlugen sich tapfer und siegten, aber als die Deutschen sich auflösten,um Beute zu machen, wurden sie von einem Hinterhalte aus von den Pro-venzalen angefallen und völlig vernichtet. Konradin wollte von Astura nachSizilien flüchten, wo ihm Freunde lebten, ward aber erkannt, eingeholt undausgeliefert. So geriet er in die Gefangenschaft seines ärgsten Feindes, aufder Flucht. Aus diesen Händen war kein Entkommen.
Man machte es ihm zum todeswürdigen Verbrechen, daß er Klöster angezündethabe. Ein großer Gerichtshof ward berufen. Robert von Bari klagte Konra-din an, daß er Kirchen zerstört, daß er widerrechtlich den Titel König an-genommen und gegen den rechtmäßigen König Krieg unternommen habe.Guido von Suzara erwiderte, Konradin sei kein Schuldiger, er sei ein Kriegs-gefangener. Viele der französischen Barone waren dafür, daß man ihn amLeben erhalten oder sogar mit ihm in Friedensverhandlungen eintreten müsse.Die Italiener hielten sich still. Ob er ein Rebell gegen die Kirche sei oder einKönig, war die Frage. Ein provenzalischer Jurist sprach das Todesurteil aus.Diesem gesellte sich der König zu. Am 29. Oktober 1268 ward die Hinrichtungvollzogen. Konradin starb mit dem Herzen eines Kindes; sein letzter Aus-ruf galt dem Jammer seiner Mutter.
Man behauptet, Papst Clemens habe in seiner Aufregung zu Viterbo den Siegbei Tagliacozzo unmittelbar in einer Art von Vision empfunden. Er teilte dieÜberzeugung Karls, der ihm schrieb, es scheine, daß der Allmächtige nun derHeimsuchung der Kirche ein Ziel gesetzt; nach allen Seiten hin ordnete erLobgesänge an. Ob er die Hinrichtung selbst gebilligt, darüber widersprechensich die Aussagen der Chronisten. Das Schicksal Konradins bildete eine Ge-schichte, deren ergreifenden Inhalt man überall erzählte. Besonders merk-würdig ist die Klage des Troubadours Bartholomäus Zorgi von Venedig. Ichwundere mich, ruft er aus, wie ich die Kraft noch habe, dies Unglück zu schil-dern; denn recht wäre es, daß mich der Gedanke daran lautlos tötete, michund jeden, der die Tugend noch stützt. Wie können Deutsche nur leben, wennsie die Erinnerung an diesen Verlust im Herzen tragen? Denn sie haben ihrBestes verloren und nur an Schmach gewonnen. Wenn sie nicht sogleich Rachenehmen, bleiben sie stets mit Schande bedeckt: so hart verfuhr Karll (Leopoldvon Ranke, Weltgeschichte, 1881/1888.)
RUDOLF VON HABSBURG
Rudolf, Graf zu Habsburg und Kiburg, war von Statur sehr groß, schlank vonGliedmaßen: seine Nase hatte eine starke Ausbeugung; den Haarwuchs hatte
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