Königs würdig war, stattete Otto seine junge Gemahlin aus. Zu dem großenWittum, was Lothar ihr in Italien hinterlassen hatte, fügte er reiche Güterim Elsaß, Franken, Thüringen, Sachsen und Slawonien; Adelheid konnte mitRecht für die reichste Frau der Welt gelten.
Pavia, das einst Adelheids tiefste Erniedrigung gesehen hatte, sah jetzt dasneue Glück, das ihr aufging. Die junge Fürstin, der einst die Krone so schmäh-lich entrissen war, trug nun eine zweifache Krone auf ihrem Haupte undschritt höher als je einher an der Seite eines Gemahls, den alle Welt als denersten Fürsten des Abendlandes kannte. Kaum war ein Jahr seit dem Todeihres ersten Gemahls verflossen; was hatte sie nicht seitdem erlebt? Wunder-bare Abenteuer, die ihren Namen durch die weite Welt trugen und zum Ge-genstande buntwechselnder Mären machten! Jahrhundertelang ist man inItalien nicht müde geworden, von dem seltenen Glückswechsel, den diese Frauerfuhr, und von dem Kampfe, der um sie entbrannte, zu singen und zu sagen;Adelheid wurde die Helena der italienischen Sage. (Wilhelm Giesebrecht,Geschichte der deutschen Kaiserzeit, 1855/1888.)
FRIEDRICH BARBAROSSA
In Friedrich I. erschien die alte grimmige Fehde der Weifen und Hohenstaufenvöllig ausgesöhnt: denn sein Vater war Herzog Friedrich von Schwaben undseine Mutter war Judith, die Tochter Herzog Heinrichs des Schwarzen.Dieser Abstammung würdig, verwandelte der Jüngling bald das Spiel kriege-rischer Übungen in Ernst und kündigte, noch beim Leben seines Vaters, dembayrischen Grafen von Wolfartshausen Fehde an. Aber so sehr verachtetendessen Kriegsleute die Jugend Friedrichs, daß sie wohlgemut unter den Mauerndes Schlosses standen und an kein ernstliches Gefecht glaubten, bis sie ange-griffen, alles Widerstandes ungeachtet geschlagen und viele, unter ihnen GrafKonrad von Dachau, gefangen wurden. Friedrich nahm kein Lösegeld: ihmgenügte die Ehre des Sieges, und er wußte, daß man oft reicher wird durchVerschmähen als durch Nehmen des Geldes. Wichtiger als diese erste, erscheintseine zweite Fehde mit dem mächtigen Herzoge Konrad von Zähringen, welchergegen alles Erwarten von dem noch jungen Manne aus Zürich und Zähringenvertrieben und gezwungen wurde, bei König Konrad um Frieden zu bitten.Als dieser im Jahre 1146 das Kreuz nahm, folgte Friedrich so würdigem Bei-spiele, obgleich sein bereits kränkelnder Vater anfangs lebhaft widersprachund verlangte, daß er bei ihm bleiben und nicht das Nächste und Notwendigstedem Entfernten und Ungewissen nachsetzen sollte. Aber alle, selbst glück-liche Unternehmungen in dem engeren Kreise der Heimat hätten den Jüng-ling nicht so bilden und erziehen können, als die großen Unfälle dieses Kreuz-zuges. Nach seiner Rückkunft übernahm er (denn sein Vater starb schon imJahre 1146) das Herzogtum Schwaben; und als er sich jetzt im einunddreißig-sten Jahre seines Alters um die Krone bewarb, hatte sich Einsicht und Beson-nenheit schon zum Heldenmute gesellt.
Friedrich war mittlerer Größe und wohlgebaut, sein Haar blond, kurz ab-geschnitten und nur auf der Stirn gekräuselt, seine Haut weiß, seine Wangen
104