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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
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entrann. Endlich gelangten die Flüchtlinge an ein breites Wasser wahr-scheinlich waren es die Kanäle und Sümpfe, welche der vielarmige Minciobei Mantua bildet, hier ließ der Priester die Frauen zurück und eilte zuBischof Adelhard, um ihm zu melden, die Königin sei entronnen und warteseines Beistandes. Tage und Nächte verlebten die Frauen in der peinlichstenUngeduld, in steter Furcht und Sorge schwebend, zuletzt auch vom Hunger ge-peinigt und auf das äußerste erschöpft. Da kam ein Fischer heran auf seinemNachen, der hatte soeben einen großen Stör in seinem Netz gefangen. Ver-wundert sieht er die Frauen und fragt, wer sie seien und wie sie in diese Gegendkämen.Siehst du denn nicht," sagte Adelheid,daß wir Fremde sind, vonaller menschlichen Hilfe verlassen? Wir leiden Gefahr, Hungers zu sterben; gibuns zu essen, Mann, und wenn du nichts hast, so rate und hilf." Der Fischerfühlte Erbarmen, wie der Herr einst mit den Hungrigen in der Wüste, undsprach:Siehe, ich habe nichts, als Wasser und einen Fisch, um euren Hungerzu stillen." Er führte Feuer mit sich nach der Sitte der Fischer, und schnelllohten helle Flammen auf, an denen der Fisch zum Mahle bereitet ward. Beimärmlichen Mahl saß bald die Königin, von der Magd und dem Fischer be-dient. Kurze Zeit darauf kehrte der treue Priester vom Bischof Adelhardzurück und brachte die frohe Kunde, es nahe zu Adelheids Schutz eine ge-waffnete Schar, die Königin sei gerettet. Die Ritter kamen, empfingen siejubelnd, Bischof Adelhard selbst zog ihr entgegen und führte sie erst nachReggio, dann nach Canossa, einer festen Burg unweit Reggio, die Atto, eintapferer Vasall des Bischofs, zu Lehn hatte.

Nach Canossa sandte Otto, sobald er in Pavia eingezogen war, vertraute Män-ner als seine Boten ab, die mit reichen Geschenken um Adelheids Liebe für ihnwerben und die junge Königin nach Pavia einladen sollten. Willig versprachsie dem mächtigen Fürsten, der sie so plötzlich aus der Tiefe des Elends zuder glänzendsten Stellung erheben wollte, ihre Hand und eilte froh ihm ent-gegen, schon von einer dichten Menge umdrängt, die sie wieder als Königinbegrüßte. Seinen Bruder Heinrich sandte Otto als Brautführer mit der könig-lichen Leibwache ihr entgegen; noch ehe sie den Po überschritt, empfing sieHeinrich, der erste von Ottos Hause, der ihr entgegentrat, der Bote einergroßen Zukunft. Nie hat Adelheid diese Begegnung Heinrich vergessen; vomersten Augenblicke war er der Mann ihres Vertrauens. Dienstbeflissen undergeben erwies sich Heinrich auf dem weiteren Zuge; dieser Königin wollteer gefallen, und leicht war es ihm, wenn er wollte, die Herzen der Menschensich zu gewinnen.

Otto wartete zu Pavia der Braut. Als er sie im Glänze jugendlicher Schönheiterscheinen sah, schlug ihr beim ersten Blicke sein Herz entgegen. Nicht dieLiebe hatte die ersten Fäden dieses für die Welt so folgenreichen Bundes ge-schürzt; Otto freite um Adelheid, die er wohl nie vorher mit Augen gesehenhatte, nicht um einer zärtlichen Neigung zu genügen, sondern um ihrer undseiner Stellung willen, aber die Liebe kettete bald den großen Kriegsfürstenan dieses reizende Weib mit unauflöslichen Banden. Nicht lange nachherwahrscheinlich schon im Oktober wurde die Hochzeit unter Jubel undFrohlocken in Pavia, der volkreichen Stadt, gefeiert. Wie es eines mächtigen

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