sein Ende begleitet, dann ist sie plötzlich versiegt. Er war erst einundsechzigJahre alt, als er verschied, wie auch sein Vater ungefähr in demselben Altergestorben war, beide an demselben Orte, nach dem tatenvollsten Leben.(Leopold von Ranke, Weltgeschichte, 1881/1888.)
ADELHEID
Schon in den ersten Tagen seiner Herrschaft wandten sich die Gemüter vielervon Berengar und seinem Weibe ab und richteten ihre Blicke auf Adelheid,die junge Witwe Lothars, die kaum noch das neunzehnte Jahr erreicht hatte.Durch Schönheit, Klugheit und unbescholtene Sitte hatte sie sich die Herzendes Volks gewonnen und die zahlreiche burgundische Partei im Lande, jederanderen Führung beraubt, sah in ihr allein die Hoffnung und Rettung derZukunft. Bald trat Berengar als Adelheids bitterster und grausamster Feindauf; Beleidigung über Beleidigung, Gewalt über Gewalt mußte die edle Frauvon Berengar und seinem ehrlosen Weibe zu Pavia ertragen. Man beraubtesie ihres Goldes, ihres Schmucks, ihres Gefolges, endlich sogar der Freiheit.Wenige Monate nach dem Tode ihres Gemahls, am 20. April des Jahres 951,wurde sie zu Como zur Gefangenen gemacht und in einen Kerker geworfen.Hier war sie den abscheulichsten Mißhandlungen ausgesetzt. Später über-lieferte Berengar die Gefangene einem seiner Grafen, der sie in der BurgGarda, an dem gleichnamigen See, bewahren sollte. Hier verlebte Adelheidin einem grauenhaften Kerker, von einer einzigen Magd begleitet, rings vonWachen umstellt, vier bange Monate ihres Lebens; nichts ließ man ihr, alsdie Tröstungen der Religion, von einem treuen Priester gespendet. Unsäglicheshat damals die junge Königin erduldet, wie sie später selbst oft dem Abt
Odilo von Cluny erzählte.--------
Ehe Otto noch den Boden Italiens betreten hatte, zu derselben Zeit, als Liu-dolf seinen unglücklichen Zug durch die Lombardei unternahm, war bereitsAdelheid auf wunderbare Weise aus ihrem Kerker befreit worden. Den Ge-danken der Flucht hatte ihr der Bischof Adelhard von Reggio eingegeben,von dem ein Bote den Weg in den Kerker der Königin gefunden hatte; zugleichhatte ihr der Bischof einen sicheren Aufenthalt in seiner Stadt versprochen.Die Mittel zur Flucht boten Adelheid der treue Priester und die einzige Die-nerin, die sie in den Kerker begleitet hatten. Sie gruben unter der Erde einenGang, der aus dem Turme in das Freie führte; auf diesem Wege entkam beiNacht die Königin, von den Gefährten ihres Kerkers begleitet. Noch in der-selben Nacht wurde die Flucht fortgesetzt, so weit nur die Füße die Königinzu tragen vermochten; beim Anbruch des Tages verbargen die Flüchtigen sichin einer Höhle. Mehrere Tage brachten sie in der gefahrvollsten Lage zu, in-dem sie im Dunkel die eingeschlagene Straße verfolgten, beim Tagesanbruchaber sich in Grotten, Wäldern und Kornfeldern versteckten. Denn schon ver-folgten Adelheid ihre Kerkermeister. Einst, wird erzählt, durchsuchten dieseein dichtes Kornfeld, in dem sich die Königin verborgen hatte, sie durchstachendie wogenden Ähren mit ihren Speeren und bogen die hohen Halme zurück;aber sie fanden die Königin nicht, die wie durch ein Wunder ihren Händen
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