geladen wurde. Er nahm die Krone aus der Hand des Papstes, zugleich abermanifestierte er die Tendenz, die kaiserlichen Rechte geltend zu machen.Diesen Entschluß hätte ihm niemand anraten können. Er war ganz sein eigen;und was er einmal getan, davon wich er auch in den größten Gefahren nichtzurück; er besaß eine eiserne Unerschütterlichkeit. Seine Politik stützte sichauf sein Schwert. Wehe denen, die sich ihm widersetzten; er behandelte sienicht allein als seine Feinde, sondern als Verbrecher. Rücksichten kannte ernicht; er identifizierte seine Persönlichkeit mit der Stellung, die er in den all-gemeinen Konflikten nahm.
Einen Einblick in sein intimstes Leben gewährt uns sein Verhältnis zu seinerMutter. Er hatte mit ihr gebrochen, weil er ihr keinen Einfluß auf seine Re-gierung gestatten wollte, dann aber, als nichts mehr zu befürchten war, zurAussöhnung die Hand geboten; in den Irrungen mit Liudolf ist ihm ihreUnterstützung nicht allein erwünscht, sondern nützlich gewesen. Die größteTeilnahme widmet Mathilde dem Wohlergehen ihrer neuen Schwieger-tochter Adelheid und deren Kindern, namentlich der Geburt des jungen Otto,dessen Dasein ein Moment in dem Mißverständnis mit Liudolf bildet und dieHoffnung des Hauses ausmacht, da Liudolf kurz darauf stirbt. Mit heißenGebeten begleitet sie den Zug ihres Sohnes nach Rom, der in ihren Augen zu-gleich eine Wallfahrt ist. Bei der Rückkehr von dort traf sie in Köln mit ihmzusammen. Es war ein großes Fest der kaiserlichen Familie: Adelheid mitihrem Sohne, auch Gerberga mit ihren Kindern waren gekommen, nicht alleinder Erzbischof Bruno, sondern auch dessen Lehrer Balderich von Utrecht,der sich durch Wiederherstellung seiner Kirche aus tiefem Verfall einen Namenerworben hatte. Der Kaiser selbst, in dessen Antlitz, den wachsenden Jahrenzum Trotz, noch immer die Augen mit ihrem eigentümlichen Feuer leuch-teten, erschien in dem Glänze der Siege, im Kreise seiner Angehörigen, vollerKraft, ein patriarchalischer Kaiser; seine Bewegungen waren langsamer alsehedem; sein Haupthaar war ergraut und spärlich geworden; gegen die Sitteder Sachsen wallte ihm ein breiter Bart tief auf die Brust herab; seine Körper-beschaffenheit hat man mit Worten geschildert, die an die homerischen Hel-den erinnern. Und wie er von jeher immer den Umständen Rechnung getragenhatte, so erwies er auch jetzt seiner Mutter die Freundlichkeit, die sie am höch-sten anschlug; er begleitete sie nach dem von ihr in Nordhausen gestifteten, nochnicht vollendeten Kloster, an dessen Zukunft ihre Seele hing; dort nahm er vonihr Abschied. Man wird der Szene wohl gedenken dürfen, die in der jüngerenLebensbeschreibung der Mathilde überliefert ist. Sie haben beide miteinanderder Messe beigewohnt. Das Pferd des Kaisers steht gesattelt und gezäumt vorder Tür der Kirche; Mathilde begleitet ihren Sohn mit ihren Augen, bis er esbestiegen hat; dann geht sie nach der Kirche zurück und küßt den Boden, aufdem seine Füße gestanden. Hiervon unterrichtet, springt Otto wieder aus demSattel. „Wie könnte ich dir diese Tränen vergelten", ruft er aus, indem erneben ihr auf seine Kniee sinkt. Naturwahr ist es, wie dann die Königin in ihndringt, nicht länger zu verweilen, denn dadurch würde der Schmerz der Tren-nung nur bitterer werden; wider ihren Willen seien sie genötigt, sich voneinanderloszureißen; der Abschied sei für immer: niemals werde er sie wiedersehen.
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