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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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nicht minder das eigene Vätererbe, ließ die Lieder der Taten und Kriege derKönige sammeln, gab Monden und Winden deutsche Namen und befahl, dieheiligen Schriften in deutscher Sprache zu schreiben. Seine Aufgabe: antikesWissen und Können, christliches Glauben und Lehren, germanisches Bildenund Wirken in eins zu schmelzen, blieb die der kommenden Geschlechter,und ihre Lösung war um so schwerer für die jungen Erben der alten Welt, weileinmal der gewaltige Raum des Imperiums über die Grenzen des engeren Volks-tums weit hinausgriff und sie ihn jahrhundertelang mit immer neuen Menschen-opfern herrscherlich behaupten mußten, und weil zum andern der zweite ErbeRoms, die katholische Kirche, den gleichen Anspruch geistlicher und baldauch staatlicher Beherrschung dieses imperialen Raumes machte und so,was sie an universaler Bildung gab, zugleich an Sondergut und selbstbestim-mendem Willen dem Volke zu nehmen drohte: der Deutsche also mußte mitund trotz Rom wachsen, um sich selbst zu behaupten und zu seinem schön-sten Eigenwuchse aufzureifen. (Friedrich Wolters und Walter Elze, Stimmendes Rheines, 1923.)

OTTO DER GROSSE

Um die einmal ergriffene Stellung zu behaupten, hat Otto sich nicht seltenmit denen schlagen müssen, die ihm am nächsten standen, wie mit seinemBruder, so mit seinem Sohne. Er mußte erleben, daß ihm in einer der wich-tigsten Metropolen des Reichs ein Widerstand entgegengesetzt wurde, demer in der Tat nicht gewachsen war, zumal da die Slawen auf der einen, dieUngarn auf der andern Seite das Reich durch Zerstörung der Marken und ver-wüstende Einbrüche bedrohten. Da ist nun nichts höher anzuschlagen, alsdie Haltung Ottos auf dem Tage von Langenzenn; er setzte die Herstellung desinneren Friedens über jede andere Rücksicht und brachte es wirklich dahin,daß diese Überzeugung sich Bahn brach, so daß bei dem großen Einfall derUngarn beide Parteien gemeinschaftliche Sache machten und der Königunter Beihilfe seiner bisherigen Widersacher jenen Sieg am Lech davontrug,der nicht allein in der deutschen, sondern auch in der europäischen GeschichteEpoche macht. Mit dieser Entschlossenheit, die aus moralischen Impulsenentsprang, verband sich in Otto eine gleichsam instinktive Einsicht in diepolitische Lage, die ihm seine großen Unternehmungen nach Italien eingab.Ohne Zweifel ist in seinem Kopfe dort in Böhmen aus den Wahrnehmungender in Italien obwaltenden Verhältnisse der Entschluß entstanden, sich derLombardei kraft des alten Anrechts der karolingischen und ostfränkischenKönige und zugleich durch eine Verbindung mit den herabgedrückten italieni-schen Landsassen, an deren Spitze eine Fürstin stand, die er zu seiner Gemahlinerkor, zu bemächtigen. Durch glückliche Kombination und einsichtige Ent-schlossenheit gelangen ihm alle seine Unternehmungen. Nach der ersten Be-sitznahme der Lombardei stand er den Schwierigkeiten, die er voraussah,gegenüber davon ab, nach Rom zu gehen und sein Recht auf die Kaiserkronegeltend zu machen. Dazu schritt er erst, als die Sache dahin gekommen war,daß er von den italienischen Großen und zugleich von dem Papst dazu ein-

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