jetzt erhaltenen Eindrücke zu dem festen Entschluß, alles aufzubieten, umdiese kostbaren Überreste den folgenden Zeitaltern aufzubewahren.Nicht weniger als von seinen Untertanen ward Theoderich von den Völkerngeachtet, welche in den römischen Provinzen Staaten errichtet hatten, und wennman ihn loben muß, daß er in der Blüte seiner Jahre und seines kriegerischenRuhms nach nichts so sehr strebte, als Frieden zu stiften, so muß man seinendenkenden Kopf in dem Systeme bewundern, das er unter den abendländischenReichen hervorzubringen suchte. Durch Familienbande vereinigte er seinHaus mit den Königen der Franken, der Burgunder, Thüringer, Vandalen undWestgoten, vorzüglich sann er auf eine enge Vereinigung mit diesen letzten,welche schon wegen der gleichen ursprünglichen Abstammung leichter mitden Ostgoten sich befreunden mußten. Das Ansehen, welches er dadurch er-hielt, und das Übergewicht, welches ihm seine großen Eigenschaften gaben,benutzte er nicht, um sein Reich zu vergrößern, sondern um eine Republik vongermanischen Staaten zu errichten, welche sich dem orientalischen Kaisertume
kühn entgegenstellen könnte.-------
Nicht allein durch dieses System und durch den kriegerischen Sinn der Gotenwollte der König sein Italien schützen, denn trotz denselben ward ihm bei einemBlicke nach Norden oft bange! Wie gefahrvoll waren für die italienischenGrenzen die benachbarten Schwärme, selbst wenn es schien, als wären siegünstig gegen das ostgotische Reich gesinnt. So oft es Unruhen unter ihnengab, verlegte er sogleich seinen Hof in ihre Nähe nach Verona. Nach und nachunterwarf er seiner wohlgeordneten Regierung einen Strich der Provence,Rhätien, Vindelicien, Norikum und einen beträchtlichen Teil von Pannonienund Dalmatien. So umgab er sein Italien gleichsam mit einer Verschanzungvon Ländern, da zugleich Aestyer von den Küsten der Ostsee her ihm Geschenkebrachten und man von Schweden her, welches die Wiege der gotischen Nationgenannt wurde, Bande mit ihm anknüpfte. In den Sagen Skandinaviens ver-breitete man seine Taten, als Theoderich von Verona oder Dietrich von Bernward er im Norden das Ideal eines Helden. (Karl Ludwig von Woltmann,Theoderich, König der Goten, 1976.)
KARL DER GROSSE
In Karl erhob sich die neue Einheit zum ersten Male in einem großen Men-schen zum Bewußtsein einer geistigen Aufgabe und einer staatlichen Tat.Der christliche Franke nahm den Kaisergedanken am Rheine auf und gabdem leiblos gewordenen römischen Reiche mit dem festumrissenen staat-lichen Raum eine neue Wirklichkeit, die ein Jahrtausend das Schicksal derDeutschen bestimmte. An die rheinische Mitte band er die Sachsen, Engernund Nordalbinger, knüpfte die Thüringer, Bayern, Schwaben und Alamannenfester und zog über Eider, Peene, Theiß nach Italien und Spanien hinüberden ungeheuren Kreis des Heiligen Reiches. In die weltliche Herrschaft be-zog er die Kirche enger ein, und wenn er mit ihr die sinkenden Künste undWissenschaften der alten Welt zu beleben, in Hof- und Klosterschulen dieKeime erneuerter Bildung zu pflegen suchte, so wahrte der Franke in ihm
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