davon ab, frage nur von neuem die Lehrer, ob sie im Geiste des Obigen glau-ben und hoffen dürfen, etwas Gutes zu schaffen, deutsche Gesinnungen unddeutsche Charaktere zu schaffen, wenn sie fortfahren, der Absonderung derSchuljugend nach Ständen und Konfessionen das Wort zu reden.Tun wir, was unter den gegebenen Umständen möglich ist, in der Hoffnung,trotz Katholizismus und Evangelismus, Judentum und Ketzertum, trotz demfeindseligen Geiste zwischen Süd- und Norddeutschen, ja allen jetzt unter unsgrassierenden Erbärmlichkeiten und Nichtswürdigkeiten zum Trotz durchSelbstversenkung in den deutschen Geist, deutsche Gesinnung und deutscheCharaktere zu bilden, kurz, die Einheit im Geiste zu erzeugen, welche endlichmachtvoll und unwiderstehlich über alle Gegensätze triumphieren und derNation die zur Größe und zum Glück unentbehrliche äußere Einheit verschaffenwird. (F. A. W. Diesterweg, Germania, Deutsche Nationalerziehung, 1851.)
DEUTSCHE ODER FREMDE FREIHEIT
Das Deutschland der letzten Jahrhunderte war schon vielfach nicht mehrDeutschland. Der Geist, der einst das ganze bürgerliche politische Lebenbeherrschte, ist, wir wiederholen es, vom deutschen Volke gewichen, als dermonarchische Absolutismus mehr und mehr um sich griff, alles absorbierte unddem liberalen Absolutismus die Bahn brach. Für diese Geistesrichtung ist dannFrankreich das Musterland geworden und zugleich die Quelle der ganzenmodern-politischen Bildung. Wir werden nie zu einem ruhig fortschreitendeninneren politischen Leben kommen, solange wir immer nach fremden Musternschauen und gedankenlos nachschwätzen, was dort vorgeschwätzt wird. EinVolk, das sich von dem Geiste abwendet, den die Vorsehung in seine Geschichtegelegt, verliert seinen sicheren Halt und gerät in endlose politische Schwan-kungen.
Wir fordern deshalb ein Staatswesen mit deutscher Freiheit, nicht mit Fran-zosenfreiheit; mit Freiheit dem Inhalte nach, nicht mit Freiheit der bloßenForm nach, mit wahrer persönlicher Freiheit. Wir können den Unterschied ineiner kurzen Form fassen: nach germanischem Rechte ist jeder freie Mannberechtigt, alles zu tun, was er seiner inneren Überzeugung nach tun darf, in-soweit er nicht durch wohlerworbene Rechte anderer und durch die geschicht-lichen Rechte des Staates beschränkt ist. Nach modernem Franzosenrechte istder Bürger der Staatsgewalt gegenüber absolut unfrei und hat nur so viel Rechte,als diese ihm täglich gnädig einräumt, oder als die Majorität einer Kammer,wenn diese die Staatsgewalt beherrscht, ihm gnädigst verwilligt. Im Sinne dergermanischen Freiheit ist der Mensch alles, im Sinne der französischen ist derMensch nichts und die Staatsgewalt alles, der Gottstaat. Die französische Frei-heit fällt daher absolut mit dem Begriffe der Gleichförmigkeit zusammen.Alle Geister, die von diesem falschen Begriff beherrscht sind, verwechseln un-unterbrochen Freiheit mit Gleichförmigkeit und können gar nicht mehr fassen,daß Gleichförmigkeit auch bei der ärgsten Sklaverei möglich ist. Die größteGleichförmigkeit ist ja die Gleichförmigkeit des Zuchthauses. Nach dieserGleichförmigkeits- Staatstheorie unter der Herrschaft des absoluten Staats-
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