trägt, ist es mir, als wäre die Schauspielerkunst in ihrer höchsten Bedeutung,während sie auf der Bühne nur noch ein zweifelhaftes und schwaches Dasein
fristet, an diesen Stuhl des alten Mannes gefesselt.--------
Der geistige Einfluß eines so bedeutenden Mannes läßt sich nicht als etwas Ver-einzeltes oder Gesondertes darstellen; er bildet nicht ein bloß Mitgeteiltes:er wirkt anregend auf die eigenste Natur. Wir fühlen uns nicht gefesselt durchihn, wie durch etwas Fremdes, welches uns hinzugefügt wird. Was hervor-gerufen wird, entspringt aus uns selbst, und je mächtiger der Einfluß ist, destofreier und selbständiger fühlen wir uns. Die Kunst schloß sich mir in dieserGesellschaft reicher auf; ich lernte das Ursprüngliche von dem Abgeleiteten,das Einfache von dem Manierierten, die Natur der Kunst von der Einseitigkeitder Schule unterscheiden. Die großen Dichterepochen der Italiener, derSpanier, der Engländer und der germanischen Vergangenheit traten mirnahe, ja ich ward in ihre Mitte versetzt durch einen ihnen verwandten Geist.Ich erlebte diese blühenden Zeiten, ich genoß die bedeutende Vergangenheit,als wäre sie eine reiche Gegenwart und sah einem jeden Tage mit Freuden ent-gegen. (Heinrich Steffens, Was ich erlebte, 1840/1845.)
PRINZ LOUIS FERDINAND
Ein edler, königlicher Prinz fiel mit zweitausend Tapfern den thermopy-lischen Tod, ein herrliches Opfer. Ludwig von Preußen! Möge in diesem Kampfdein Tod bedeuten, was einst Leonidas und seiner mutigen Gefährten, einheiliges Omen der Erlösung, ein hohes Beispiel, das die Könige und die Großenlehren soll, wie du für das Vaterland zu streiten und zu sterben! Du wärestfür die Unsterblichkeit geboren, du bist unsterblich, du würdest dann un-sterblicher sein. O hättest du das Heer geführt, das Tod und Sieg wollte, dasunendliches Vertrauen auf altes, preußisches Glück und preußischen Muthatte, wo würden dann die französischen Adler schweben! Was die Naturaus ihrer Fülle Schönstes bilden und bauen konnte, erschien an dir, ein statt-licher, fürstlicher Leib, eine Stirn, worauf die Begeisterung, die Hoheit undder Befehl ruhte, ein Geist, mit den reichsten Talenten begabt, eine Seelevoll Freundlichkeit, Kühnheit und Liebenswürdigkeit. Du wärest zum Herr-scher und Feldherrn geboren; in dir ist die Ehre und der Glanz des preußischenFürstenhauses gefallen, der Liebling des Volkes, der Abgott der Krieger, derFreund der Musen. Du hättest dich retten können; bei der Verwirrung derAnführenden sähest du die nahende Schande, du wolltest den Tag des Un-heils nicht sehen und mit Ruhm früher zu deinen großen Ahnherrn entfliehen.Solange in Hesperien der Lorbeer, in Germanien die Eiche, der einst freieBaum, grünt, soll deinem blutigen Haupt der frische Kranz nicht fehlen.(Ernst Moritz Arndt, Geist der Zeit II, 1808.)
6 Wolters, Der Deutsche. IV, 1.
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