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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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Wenige Geister waren auf die große Weise gelehrt, wie er. Die meisten ver-folgen nur das Seltenste, Unbekannteste einer Wissenschaft; er hingegen nahmnur die großen Ströme, aber aller Wissenschaften in sein himmelspiegelndesMeer auf, das ihnen aufgelöst seine Bewegung von Abend gegen Osten auf-drang. Viele werden von der Gelehrsamkeit umschlungen wie von einemauftrocknenden Efeu, er aber wie von einer Traubenrebe. Überall dasEntgegengesetzte organisch-dichtend sich anzueignen, war sein Charakter;und um das trockne Kernhaus eines Lamberts zog er eine süße Fruchthülle.So verknüpfte er die kühnste Freiheit des Systems über Natur und Gott mitdem frömmsten Glauben, bis sogar an Ahnungen. So zeigt er die griechischeHumanität, der er den Namen wiedergab, in der zärtlichsten Achtung allerrein-menschlichen Verhältnisse und in einem lutherischen Zorn gegen allevon Religionen oder Staat geheiligten Gifte derselben. So war er ein Festungs-werk voll Blumen, eine nordische Eiche, deren Äste Sinnpflanzen waren.Wie herrlich unversöhnlich entbrannte er gegen jede kriechende Brust, gegenSchlaffheit, Selbstzwist, Unredlichkeit und poetische Schlammweiche, sowie gegen deutsche kritische Roheit und gegen jeden Zepter in einer Tatze;und wie beschwor er die Schlangen der Zeit! Aber wolltest du die süßesteStimme hören, so war es seine in der Liebe, es sei gegen ein Kind oder einGedicht oder die Musik oder in der Schonung gegen Schwache. Er glich seinemFreunde Hamann, diesem Heros und Kinde zugleich, der wie ein elektrisierterMensch im Dunkeln mit dem Heiligenschein um das Haupt sanft dasteht, biseine Berührung den Blitz aus ihm zieht.

Wenn er seinen Hamann als einen zürnenden Propheten, als einen dämonisti-schen Geist schilderte, den er sogar über sich stellte (wiewohl Hamann wenigergriechisch und beweglich und leicht blühend und organisch zergliedert war),und wenn man mit Schmerzen hörte, wie ihm in dessen Grab seine rechteWelt und Freundschaftinsel nachgesunken: so wurde man aus seiner Sehn-sucht inne, daß er innerlich (nach einem höchsten Ideale) viel schärfer überdie Zeit richte, als es äußerlich seine Duldung und Allseitigkeit verriet; dahergeht durch seine Werke eine geheime, bald sokratische, bald horazischeIronie, die nur seine Bekannten verstehen. Er wurde überhaupt wenig, nurim Einzelnen anstatt im Ganzen gewogen und erwogen; und erst auf derDemantwage der Nachwelt wird es geschehen, auf welche die Kiesel nichtkommen werden, womit die rohen Stilistiker die noch rohem Kantianer undrohe Poetiker ihn halb steinigen, halb erleuchten wollten. (Jean Paul, Vor-schule der Ästhetik, 1804.)

LOBREDE AUF WIELAND

Ob es gleich dem Einzelnen unter keiner Bedingung geziemen will, alten ehr-würdigen Gebräuchen sich entgegenzustellen und das, was unsere weisen Vor-fahren beliebt und angeordnet, eigenwillig zu verändern, so würde ich doch,stünde mir der Zauberstab wirklich zu Gebote, den die Muse unserm abgeschie-denen Freunde geistig anvertraut, ich würde diese ganze düstere Umgebungaugenblicklich in eine heitere verwandeln: dieses Finstere müßte sich gleich

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