ha! ha! ich bin wohl erwärmt, ich habe das Feuer gesehen. Den übrigen Teildesselben machet er zu einem Gotte und spricht: Erlöse mich, denn du bistmein Gott!"
Diesen Prophetenblick, dieses durchschauende, Ehrfurcht erregende Stau-nen voll wirksamer, treffender, gebärender Urkraft; dieses stille, kräftigeGeben weniger, gewogener Goldworte, diese Verlegenheit, keine Scheide-münze für den Empfänger und Warter an der Hand zu haben! Hieroglyphen-säule! Ein lebendiges:
Quos ego — sed motos praestat componere fluctus. —
(Lavater, Physiognomische Fragmente, 1775/1778.)
HERDER
Wie soll ichs auseinandersetzen, da in der schönen Seele, eben wie in einemGedichte, alles zusammenfloß, und das Gute, das Wahre, das Schöne eine un-teilbare Dreieinigkeit war? Griechenland war Herdern das Höchste, und wieallgemein auch sein episch-kosmopolitischer Geschmack lobte und aner-kannte — sogar seines Hamanns Stil —, so hing er doch, zumal im Alter,wie ein vielgereister Odysseus nach der Rückkehr aus allen Blüten-Ländernan der griechischen Heimat am innigsten. Er und Goethe allein (jeder nachseiner Weise) sind für uns die Wiederhersteller oder Winckelmanne dessingenden Griechentums, dem alle Schwätzer voriger Jahrhunderte nichtdie Philomelenzunge hatten lösen können.
Herder war gleichsam nach dem Leben griechisch gedichtet. Die Poesie warnicht etwa ein Horizont-Anhang ans Leben, wie man oft bei schlechtem Wetteram Gesichtskreise einen regenbogenfarbigen Wolkenklumpen erblickt, son-dern sie flog wie ein freier leichter Regenbogen glänzend über das dicke Lebenals Himmelpforte. Daher kam seine griechische Achtung für alle Lebens-stufen, seine zurechtlegende epische Weise in allen seinen Werken, welcheals ein philosophisches Epos alle Zeiten, Formen, Völker, Geister mit dergroßen Hand eines Gottes unparteiisch vor das säkularische Auge (das Jahrenur am Jahrhundert ausmißt) und also auf die weiteste Bühne führt. Daherkam sein griechischer Widerwille gegen jedes Überschlagen der Wage aufdie eine oder die andere Seite; manche Sturm- und Foltergedichte konntenseine geistige Marter bis zur körperlichen treiben; er wollte die Opfer derDichtkunst nur so schön und unverletzt erblicken, als der Donner des Himmelsdie getroffenen Menschen läßt. Darum zog er wie ein griechisches Gedicht umjede, auch schönste Empfindung, zum Beispiel um die Rührung, oft durch dieGewalt des Scherzes, früh die Grenze der Schönheit. Nur Menschen von flachenEmpfindungen schwelgen in ihnen, die von tieferen fliehen ihre Allmachtund haben darum den Schein der Kälte. Eine große dichterische Seele wirdleichter alles auf der Erde, als glücklich; denn der Mensch hat etwas von derLavatere, welche jahrelang jedem Winter trotzt, aber zart wird und vergeht,sobald sie Blumen trägt. Freilich ist der Dichter ein ewiger Jüngling, und derMorgentau liegt durch seinen Lebenstag hindurch, aber ohne Sonne sind dieTropfen trübe und kalt.
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