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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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samten Kräften sich geistig entwickelt, so nimmt es alles Herrliche, Ver-ehrungs- und Liebenswürdige in sich auf und erhebt, indem es die menschlicheGestalt beseelt, den Menschen über sich selbst, schließt seinen Lebens- undTatenkreis ab und vergöttert ihn für die Gegenwart, in der das Vergangeneund Künftige begriffen ist. Von solchen Gefühlen wurden die ergriffen, dieden olympischen Jupiter erblickten, wie wir aus den Beschreibungen, Nach-richten und Zeugnissen der Alten uns entwickeln können. Der Gott war zumMenschen geworden, um den Menschen zum Gott zu erheben. Man erblicktedie höchste Würde und ward für die höchste Schönheit begeistert. In diesemSinne kann man wohl jenen Alten recht geben, welche mit völliger Über-zeugung aussprachen: es sei ein Unglück zu sterben, ohne dieses Werk ge-sehen zu haben.

Für diese Schönheit war Winckelmann, seiner Natur nach, fähig, er wardsie in den Schriften der Alten zuerst gewahr, aber sie kam ihm aus denWerken der bildenden Kunst persönlich entgegen, aus denen wir sie erstkennenlernen, um sie an den Gebilden der lebendigen 'Natur gewahr zuwerden und zu schätzen.

Finden nun beide Bedürfnisse der Freundschaft und der Schönheit zugleichan einem Gegenstande Nahrung, so scheint das Glück und die Dankbarkeitdes Menschen über alle Grenzen hinauszusteigen, und alles, was er besitzt,mag er so gern als schwache Zeugnisse seiner Anhänglichkeit und seiner Ver-ehrung hingeben.

So finden wir Winckelmann oft im Verhältnis mit schönen Jünglingen, undniemals erscheint er belebter und liebenswürdiger, als in solchen, oft nurflüchtigen Augenblicken. (Goethe, Winckelmann und sein Jahrhundert,1805.)

WINCKELMANNS TOD

Du fielst, Edler, wie ein griechischer Held unter dem unerbittlichen Schicksal,und wie unter dem Wink deiner zwei lieben, edlen und vielleicht einzigenFehler, fielst an der Grenze des Landes, das dein Vaterland war und dich ver-bannet, und an der Grenze des andern, das dich erfreut, geehrt und genährthatte, die du aber beide liebtest und mit Geist, Verdienst und Gabe freiwilligunterstütztest. Ruhe sanft I Du liegest ohne Denkmal, und dies Blatt kannnicht hingehn, es dir dort, wo du ruhest, zu werden; aber deine Schriften sindDenkmal, und dein Geist wolle noch lange über uns und Italien schweben 1Wie ein Wandrer, der mit brennendem Durst und mattem Fuße über dieRuinen Persepolis' und Aegyptus', Gräciens und Kanaans wandert und beijedem Schritt die Trümmer einer versunkenen Königsstadt, eines Werks,woran ein Weltteil und Jahrhundert baute, sieht oder ahndet; wie keiner mehrals er die Eitelkeit aller menschlichen Dinge fühlt und nun mit dem letztenBlick auf diese Gegenden und Werke, die er hinter sich läßt und nie mehrsehen, geschweige in Flor sehen, die herabgesunkene Herrlichkeit der Völkernie mehr als Krone auf ihrem Haupt erblicken wird, denn sie liegt begrabenin Nacht und Moder wie er mit dem letzten Blick und Seufzer zurückweinetund traurig-fröhlich auf sein Schiff tritt, seine barbarische Welt, aber in ihr

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