„Brich dem Hungrigen dein Brot ..."
„Ihr werdet weinen und heulen ..."
„Jesus nahm zu sich die Zwölfe . . ."
„Unser Mund sei voll Lachens ..."so bin ich oft geneigt, ihn gerade hier zu bewundern, mit welcher heiligenUnbefangenheit, ja mit apostolischer Ironie ein ganz Unerwartetes heraus-tritt, das keinen Zweifel gegen Sinn und Geschmack aufkommen läßt. Einpassus et sepultus führt an die letzten Pulse der stillen Mächte; ein resurrexitoder in gloria dei patris in die ewigen Regionen seligen Schmerzens gegen dieHohlheit des Erdentreibens. Dies Gefühl aber ist wie unzerteilbar, und esmöchte schwer sein, eine Melodie oder sonst ein Materialisches davon mit sichzu nehmen. Es erneut sich nur, ja es stärkt sich, verstärkt sich bei Wieder-holung des Ganzen immerfort.
Bei dem allen ist es bis daher noch abhängig von irgendeiner Aufgabe. Mansoll ihm auf der Orgel folgen. Diese ist seine eigentliche Seele, der er denlebendigen Hauch unmittelbar eingibt. Sein Thema ist die eben geboreneEmpfindung, welche, wie der Funke aus dem Steine, allenfalls aus dem erstenzufälligen Fußtritt aufs Pedal hervorspringt. So kommt er nach und nachhinein, bis er sich isoliert, einsam fühlt, und dann ein unerschöpflicher Stromin den unendlichen Ozean übergeht.
So ungefähr hat sein ältester Sohn Friedemann, welcher hier gestorben ist,die Sache mit seinen Worten angegeben. „Gegen diesen", sprach er, „bleibenwir alle Kinder."
Nicht wenige seiner größeren Orgelsachen hören endlich wohl auf, aber siesind nicht aus: bei ihnen ist kein Ende.
So will ich denn auch hier aufhören, so viel noch zu sagen wäre. Alles erwogen,was gegen ihn zeugen könnte, ist dieser Leipziger Kantor eine ErscheinungGottes: klar, doch unerklärbar. Ich könnte ihm zurufen:Du hast mir Arbeit gemacht,Ich habe dich wieder ans Licht gebracht.
Goethe: Wohl erinnere ich mich bei dieser Gelegenheit an den guten Orga-nisten von Berka; denn dort war mir zuerst, bei vollkommener Gemütsruhe undohne äußere Zerstreuung ein Begriff von Eurem Großmeister (Sebastian Bach)geworden. Ich sprach mirs aus: als wenn die ewige Harmonie sich mit sichselbst unterhielte, wie sichs etwa in Gottes Busen, kurz vor der Weltschöpfung,möchte zugetragen haben. So bewegte sichs auch in meinem Innern, und eswar mir, als wenn ich weder Ohren, am wenigsten Augen, und weiter keineübrigen Sinne besäße noch brauchte . . . (Zelter und Goethe, Briefe von 1827).
FREUNDSCHAFT UND SCHÖNHEIT IM LEBEN WINCKELMANNS
Waren jedoch die Alten, so wie wir von ihnen rühmen, wahrhaft ganzeMenschen, so mußten sie, indem sie sich selbst und die Welt behaglichempfanden, die Verbindungen menschlicher Wesen in ihrem ganzen Umfangekennenlernen, sie durften jenes Entzückens nicht ermangeln, das aus derVerbindung ähnlicher Naturen hervorspringt.
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