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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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Man hat geahnet, daß es mit ihm ein anderes Bewenden habe als mit anderenvorzeitigen und gleichzeitigen Herrschern. So ist es auch, öffentliche Blätterzwar meinten, daß die Gesinnungen eines Generals in ihm verschwinden wür-den durch Einführung der Erbfolge für seine Dynastie. Nicht recht begriffen. Jene Herrscher sind gewohnt, sich als Verteidiger des Eigentums undLebens anzusehen, als Mittel zu diesem Zwecke, der darum nie aufgeopfertwerden darf: dieser setzt sich als Verteidiger eines absoluten, selbst Zweckseienden Willens, eines Weltgesetzes, in der Tat aber nur eines individuellenWillens, einer Grille, ausgerüstet mit der formalen Kraft des sittlichen Willens.(Dies ist sein wahres, unterscheidendes Wesen. Jene sind nicht imstande,ihren gegen sie immer noch erhabenen Gegner auch nur zu begreifen.) Esist allerdings wahr, daß alles aufgeopfert werden soll dem Sittlichen, derFreiheit; daß alles aufgeopfert werden soll, hat er richtig gesehen, für seinePerson beschlossen, und er wird sicher Wort halten bis zum letzten Atemzuge;dafür bürgt die Kraft seines Willens. Seine Denkart ist mit Erhabenheit um-geben, weil sie kühn ist und den Genuß verschmäht; darum verführt sie leichterhabene, das Rechte nur nicht erkennende Gemüter. Nur soll es eben nichtgeopfert werden seinem eigensinnigen Entwürfe; diesem aufgeopfert zu werden,ist er selbst sogar viel zu edel; der Freiheit des Menschengeschlechts sollteer sich aufopfern und uns alle mit sich, und dann müßte zum Beispiel ichund jeder, der die Welt sieht, wie ich sie sehe, freudig sich ihm nachstürzen indie heilige Opferflamme.

In dieser Klarheit und in dieser Festigkeit beruhet seine Stärke. In derKlarheit: alle unbenutzte Kraft ist sein; alle in der Welt gezeigte Schwächemuß werden seine Stärke. Wie der Geier schwebt über den niederen Lüftenund umherschaut nach Beute, so schwebt er über dem betäubten Europa,lauschend auf alle falschen Maßregeln und Schwächen, um flugschnell herab-zustürzen und sie sich zunutze zu machen. In der Festigkeit: die anderen wol-len auch wohl herrschen, aber sie wollen noch so vieles andere nebenbeiund das erste nur, wenn sie es neben diesem haben können; sie wollen ihrLeben, ihre Gesundheit, ihren Herrscherplatz nicht aufopfern; sie wollen bei Ehrenbleiben; sie wollen wohl gar geliebt sein. Keine dergleichen Schwächen wandeltihn an: sein Leben und alle Bequemlichkeiten desselben setzt er daran, derHitze, dem Froste, dem Hunger, dem Kugelregen setzt er sich aus, das hater gezeigt: auf beschränkende Verträge, dergleichen man ihm angeboten,läßt er sich nicht ein; ruhiger Beherrscher von Frankreich, was man ihm etwabietet, will er nicht sein, sondern ruhiger Herr der Welt will er sein und, fallser das nicht kann, gar nicht sein. Dies zeigt er jetzt und wird es ferner zeigen.Die haben durchaus kein Bild von ihm und gestalten ihn nach ihrem Bilde,die da glauben, daß auf andere Bedingungen mit ihm und seiner Dynastie,wie er sie will, sich etwas anderes schließen lasse denn Waffenstillstände.Ehre und Treue? Er hat es freiwillig bei der Einverleibung Hollands aus-gesprochen, daß ein Herrscher damit es halte, wie die Zeiten es mit sich bringen:solange es ihm selbst zuträglich ist, ja wenn es ihm nachteilig wird,nicht mehr. Daher kommt auch in allen neueren Staatsschriften desselbendas Wort Recht gar nicht mehr vor und fällt nach ihm heraus aus der Sprache,

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