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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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ihn, aber sie fürchten ihn; er ist nicht geboren, von einem irdischen Wesengeliebt zu werden. So hält der Zauber alle Dolche zurück, und Schreckenlähmt die Sicherheit der Tat. Nach dem Sinn des Aberglaubens, der ein wahrerSinn ist, steht er da, wie einer, den Gott gezeichnet hat, kein irdischer Armdarf ihn fällen. Aber er hat auch gearbeitet für die Herrschaft und seineSicherheit. Bald begeistert und fortgerissen, bald nüchtern und besonnen,immer wachsam und tätig, hat er auf das Eine hingeschaut. Eine Verbin-dung durch Liebe und Vertrauen konnte bei einem solchen Mann nicht kom-men, er fühlte das durch einen Instinkt. Wie er fern stand von diesen Men-schen, stellte er sich noch ferner, aber im Glänze, denn ohne Glanz wird hierdas größte Ferne vergessen. Abgeschieden wie ein Gott, ernst und schimmerndstellte er sich hoch über alle, und keine Stufen führen von dem Schemel seines

gebückten Sklaven zu seinem kolossalischen Thron.-------

Man darf den Fürchterlichen so leicht nicht richten, als es die meisten tun inHaß und Liebe. Die Natur, die ihn geschaffen hat, die ihn so schrecklich wirkenläßt, muß eine Arbeit mit ihm vorhaben, die kein andrer so tun kann. Er trägtdas Gepräge eines außerordentlichen Menschen, eines erhabenen Ungeheuers,das noch ungeheurer scheint, weil es über und unter Menschen herrschtund wirkt, welchen es nicht angehört. Bewunderung und Furcht zeugt derVulkan und das Donnerwetter und jede seltene Naturkraft, und sie kann manauch Bonaparten nicht versagen. Geh nach Italien, schlage Livius auf, fragedie Römergeschichten und versetze das Alte mit neuer Geistigkeit, mit größeremPrunk der Worte, mit etwas politischer Empfindsamkeit, so findest du, wasder Mann ist und wohin du ihn stellen sollst. Die ernste Haltung, des Südenstief verstecktes Feuer, das strenge, erbarmungslose Gemüt des korsischenInsulaners, mit Hinterlist gemischt, eiserner Sinn, der furchtbarer sein wirdim Unglück als im Glück, innen tiefer Abgrund und Verschlossenheit, außenBewegung und Blitzesschnelle; dazu das dunkle Verhängnis der eignen Brust,der große Aberglaube des großen Menschen an seine Parze und an sein Glück,den er so auffallend zeigt, diese gewaltigen Kräfte, von einer wildbegeistertenZeit ergriffen und vom Glücke emporgehalten, wie mußten sie siegen! Sostanden die Römerfeldherren in der Schlacht, kalt und doch begeistert, undblickten über das Würgen und den Tod von Zehntausenden ruhig hin, so jagtensie mit grausamer Freundlichkeit die Könige aus oder führten die Schlacht-opfer gebückt zum Kapitol, so endigten sie mit Gewalt, was sie mit Freund-schaft gewannen, oft gerecht, selten mild, nie edelmütig, öfter grausam. Siehdie Ämile, die Scipionen, die Sulla, und du findest dies Bild unter älteren Men-schen.

Ihr meint, die Römer wußten immer, was sie wollten und warum. Nein, nein,die großen Menschen haben das nie gewußt, wie ihr eures wisset, das Gewal-tigste bei ihnen ist angeboren und geht in der Tiefe unsichtbar fort, das Kleineflattert und fliegt oben in der Erscheinung dahin, wie das Schiff die Wellenverbergen und Segel und Wimpel, das leichte Gerüst, in der Luft flattern.Auch Bonaparte weiß nur das Kleine, was er tut, nur wo Instrumente und Ma-schinen geschoben werden. Seht ihn warum erbleicht ihr, warum fliehtihr, warum zittern stolze Männer vor dem kleinen Mann? Da steht die sie-

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