Wenn man von Napoleon gesagt, er sei ein Mensch aus Granit, so gilt diesesbesonders auch von seinem Körper. Was hat sich der nicht alles zugemutetund zumuten können I Von dem brennenden Sande der Syrischen Wüstebis zu den Schneefeldern von Moskau, welche Unsumme von Märschen,Schlachten und nächtlichen Biwaks liegt da nicht in der Mitte! Und welcheStrapazen und körperliche Entbehrungen hat er dabei nicht aushalten müssen!Wenig Schlaf, wenig Nahrung und dabei immer in der höchsten geistigenTätigkeit! Bei der fürchterlichen Anstrengung und Aufregung des 18. Bru-maire ward es Mitternacht, und er hatte den ganzen Tag noch nichts genossen!und ohne nun an seine körperliche Stärkung zu denken, fühlte er sich Kraftgenug, um noch tief in der Nacht die bekannte Proklamation an das fran-zösische Volk zu entwerfen! Wenn man erwägt, was der alles durchgemachtund ausgestanden, so sollte man denken, es wäre in seinem vierzigsten Jahrekein heiles Stück mehr an ihm gewesen; allein er stand in jenem Alter nochauf den Füßen eines vollkommenen Helden. (Goethe zu Eckermann, 1828.)
Ich habe den allmächtigen Mann beobachtet von dem Anfange seiner glorreichenBahn, denn als eine gewaltige Naturkraft verkündigte er sich in seinen erstenSchlachten; in Worten und Taten das Tiefe und Gefährliche, wie das Sausender schwangeren Gewitterwolken und dann ihre schrecklichen Ausbrücheund Klänge — so trat der kleine Korse auf und erschreckte die verwunderteWelt, die durch Ungeheures, was die Zeit brachte, an Schrecken und Ver-wunderung gewöhnt war. Er stand bald als der Erste unter den gewaltigenMännern, stumm und unerforschlich vor der Tat, wo er nicht durch Lügen be-trügen wollte, rasch und unerbittlich in ihr wie die lebenzerschneidendeTodesparze, pomphaft und klangreich in Worten nach ihrer Vollbringungvielleicht mehr für die Franzosen als für sich. Schon sah man in dem Wüten-den die Mäßigung, in dem Ehrgeizigen die Schonung, in dem Listigen den Trug.Als die Bahn gebrochen war in Italien, sicherte kein Wort und Vertrag dieschwachen, feigen, ratlosen und zwieträchtigen Fürsten und Republikenseines Vaterlandes vor Plünderung, Verjagung, Umkehrung. Seit dem Sommer1797 fing er an zu herrschen und auf den schwach gebauten französischenStaat zu drücken, ein bis dahin dunkler Wille und dunkle Hoffnungen schienenihm klar zu werden, wie das große Schicksal, das in großen Menschen wohnt,halb begeistert, halb bewußt klar werden kann. — —
Ich glaube kaum, daß es einem Franzosen, auch dem gewandtesten und liebens-würdigsten, so schnell und so gewaltig gelungen wäre mit dem Volke. Bona-Parte, der Ernste, Strenge und Fürchterliche, stand da wie eine fremde Kraftaußer dem Volke, wie ein mächtiges Verhängnis, was seiner nicht zu bedürfenschien, aber durch gewaltige Erinnerungen mit ihm zusammenhing. Siehaben bis jetzt noch zu keinem Gefühl auch des Kleinen kommen können,Was er an sich trägt; nur die furchtbare Natur, die er darstellt, steht ihnen gegen-über und hält sie bei ihm immer in ernsten und geschlossenen Gefühlen, sodaß französische Leichtfertigkeit sich an ihm nicht besinnen kann. Sie hassen
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