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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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zu zeugen, Treue zu bewähren, Untat zu vergelten, bis ihr Name untilgbar unterden Sternen wird.

Sie bringen das Licht, aber sie stehen nicht in dem bleibendhellen Tag, indem die hellenischen Kämpfer einzeln in jeder Bewegung und Rundung sicht-bar sind, sondern verhängt bleiben die Horizonte, und Sturm und Düsterbraust über ihr Ende hin. Jene finden trotz der unabwendbaren Schicksals-macht den sinnlichlösenden Austrag des Kampfes mit ihr im Streit undWiderstreit der Menschen mit den sichtbaren Göttern, um die germanischenHelden aber steht die furchtbare Einsamkeit des Kampfes mit der Gewalt deseigenen Loses, kaum gemildert durch die Mitfahrt des Gefährten oder derGeliebten zur Hei, aber überwunden durch Sang und Lachen, die den Todbegrüßen, wenn nicht die letzte Kraft noch der letzten Rache am Mörder dient.Die Schönsten unter ihnen fallen im strahlenden Glanz der Jugend, mühe-los die Gunst des Nun und Hier findend, andre sinken auf mittaglicher Höhe,andre wieder stehen als Greise da, weisheitsschwer nach einem langen Lebenunnennbarer Mühsale, dunkel und unerbittlich geworden durch ein stetesAug in Auge mit dem Schicksal, durch den immer erneuten Willen derWiderweit, sie zu brechen, ihr Heldendasein zu trüben, aber dennoch fest,voll unbeugsamen Willens.

Alle tragen die Eigenschaften einer männlich-kriegerischen Zeit: die stolzeVerhaltenheit des Erwartens und die rauschhafte Leidenschaft der Tat, dieBluttrunkenheit und Unerbittlichkeit gegen den Feind und die vornehmemilde Schonung gegen den Überwundenen, die weise Mäßigung in Freudeund Trauer, die Bändigung des Schmerzes. Nicht der freie Schrei des Süd-länders ist ihr Teil, sondern ingrimmiges Ertragen der größten Qualen undstolzes Sichverweigern gegen die Schwäche, aber auch überschäumende Maß-losigkeit des Begehrens und Wollens in der Gier nach dem verhängnisvollenGold, nach allen Machtschätzen der Erde, daneben Großmut und Freigebig-keit gegen Freunde und Genossen, die den begehrten Schatz verschwendetund selbst den Ruhm der heldischen Tat verschenkt, unverbrüchliche Treueund Dankbarkeit, aber auch Treulosigkeit und Neidingswerk wider den ge-schworenen Herrn, Wahrheitsliebe und Unverletzbarkeit des gegebenen Wortes,ein trunkener Stolz, hinauszurufen, was man getan, und koste es gleich dasLeben, den Gekränkten noch mit der kränkenden Tat zu höhnen, wenn manim Angesicht des Todes steht, endlich Ehrlichkeit im Kampf, denn List istunwürdig, wenn nicht die höchste Pflicht, die Rache, auch sie, wie jede Hand-lung, in ihrem Dienste heiligt. Denn die Rache schont weder Schlaf nochGastrecht, weder das Band der Ehe noch den Schwur der Freundschaft: ihrhartes Gesetz zu erfüllen, mordet der Freund den Freund, die Schwester denBruder, die Gattin den Gatten, die Mutter den Sohn, und nur zuweilen beimWeibe überwindet die Liebe die furchtbare Pflicht.

In scheinbar völligen Gegensätzen bewegen sich diese Eigenschaften desHelden: Treue steht neben Untreue, Härte neben Milde, Gier neben Kargheit,aber sie schließen sich nicht aus, weil es keine unbedingten Werte sind, nachderen Forderung der Held das Leben vollziehen müßte, keine göttlichen Nor-men oder gar Götter, denen er nachstreben müßte, um sein Wesen in ihnen zu

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