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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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BILD DES GERMANISCHEN HELDEN

So stehen die Helden vor dem Schicksal, und von diesem Brennpunkte aus istihr ganzes Sein und Handeln bestimmt. Nie vergessend, was sie befiel, in jedemAugenblick geprägt mit dem Siegel der ihnen eingeborenen Sendung wartensie in starrer Gehaltenheit der Stunde ihrer Bewährung.Schamhaft und schweigsam sind die Seelen der Helden ob Mann, ob Frau.Edle Scheu verschließt ihr Inneres jedem unlauteren Griff, unwandelbar einemStandbild gleich, steht ihre Gestalt im großen Bewußtsein ihres verschlossenenSeins, gefüllt mit seherischem Wissen um Schicksal und Gesetz der Seele,bis die Stunde da ist. Dann bricht aus langer Verkettung in plötzlichem hell-seherischem Wort der tiefe Sinn des heldischen Daseins, des Trägers aller Ge-schehnisse, wie ein Blitz hervor, und sie scheuen sich nicht, hinauszurufen,daß sie, die Helden, es sind, die der Welt not tun, daß in ihnen sich alles Ge-schehen vollende.

Lange, oft in unscheinbarem Gewände, birgt sich die Sendung in der Helden-seele, nur im Augenblick ihrer Bewährung kommt der Strom ans Licht, dersie trug, drängt heraus, was lange unbemerkt den Vielen schlummerte. Auchdann noch ist die Rede keusch verhalten, klaglos, nur den tiefsten Grund derSeele oft dunkel aufweisend, geballt und schwanger von Vergangenem undZukünftigem, ein Wirbel in der strömenden Zeit. Hier öffnet sich der Blickin die tiefe Verschlungenheit der Dinge, in die dunkle Dämonie der undurch-schaubaren unteren Welten, aus denen die Bilder aufsteigen. Nie ist in diesenWorten ein gut und bös, ein schuldig oder unschuldig, nur ein hell und dunkel,und selten, aber nie in moralischem Sinne denn auch die Gegenspieler sindin das ewige Netz verschlungen ein edel und gemein. Wille steht gegenWille, Ja gegen Nein, aber immer ist darin ein Wissen, daß das Schicksal sinn-los und das Dasein wertlos würde, wenn der Held in der Probe zerbräche.Sie zu suchen sein Leben lang, um den Preis seines Unterganges, weiß er trieb-haft als seine einzige Aufgabe, als sein einziges Ziel: hinauszuschießen überMenschenmaß, gelenkt von Zeichen und Träumen, nie geschreckt, nur gelocktvon der ihn umwitternden Prophetie, von Jugend auf umringt von Mißgeschick,Verbannung, Neid und Haß, gekettet an den unwürdigen Genossen oder ge-knechtet vom unedlen Herrn, so geht er, blind gegen alle Warnung, verfolgtund verfemt, von früh auf in Mühsal und Kämpfen seine Bahn, bis er im leid-großen Untergang Sinn und Vollendung findet.

Nie um der andern Glück und Behagen leidet er, aber er fühlt, daß er um derandern Heil duldet und kämpft. Er weiß, daß ihm für seine Tat nie Dankwird:

Sie ziehen hin gefolgt vom schelten

Vom bösen Blick der großen Zahl.

»Nach Tod und Wunden gierig" brechen sie oft schon im Knabenalter auf,im Kampf mit giftigen und feurigen Ungetümen erzwingen sie das erste Sie-gel ihres Loses, Gott und Mann, Mage und Weib, Albe und Unhold werden*hre Gegner auf steten Zügen, aber weiter verfolgen sie ihre Bahn durch denDunkelwald, über das schäumende Meer, nichts suchend, als ihr Heldenbild

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