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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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ihr schöpferisches Tun, die Errichtung ihres Reiches aus innerm Schaffens-zwange, der ungeheure Schwung des Aufbaues ihres Werkes und die bis insKleinste dringende Mühe des Ausbaues unter dem Siegel der Ewigkeit. Jawelcher Mensch, welches Volk hat einen Großen gemordet oder gestürzt, ohnedennoch unter der Wucht seines Geistes zusammenzusinken, ohne dennoch überallem Wechsel der Zeiten seiner Herrschaft zu unterliegen? Denn nichtGewalt kämpft hier mit Gewalt, sondern ein Ewiges mit einer zeitlichen Not:nicht der physisch Stärkere ist Herrscher, sondern wer die größere Fülle vonKräften in einer höheren Fuge eint. Aber weil der große Mann dieMensch-heit" mißachtet, ihre Ordnung durchbricht, will die Humanität uns glaubenmachen, er sei unmenschlich, ja unpersönlich im Verhalten zum andern.Doch auch diesem Urteil ist nicht der andre, nicht der Mensch, sondern wiederder Begriff, die Gattung zugrunde gelegt: nicht das besondre Menschliche,nein die verblasene Summe des Allgemeinen, das Nichts-Bedeutende sollauch dem Größten Maß und Richte sein, die Glut seines Glaubens, die Gewaltseines Handelns, die Unbedingtheit seines Willens soll sich durch Mitleid,Mitgefühlmit allen" beschränken, als sei die Schwere alles Stofflichen,Beharrung des Bestehenden und Stumpfheit der verstockten Hirne noch nichtLast und Druck genug für einen Atem. Wenn der Werktätige keinen Raumhat für Gefühle, die andre quälen oder freuen, so ist es nicht, weil er die Toreseines Herzens schlösse, sondern weil in die geöffneten nur voller der Windseines Gottes weht und alles Wünschen und Verlangen mit in das eine Ge-bot seines Werkes reißt. Das Fühlen, das sich aus diesem Wirbel löst, ist nichtunpersönlich, sondern das stärkste persönliche, das Tun nicht unmenschlich,sondern das stärkste menschliche. Die schonsame Gleichheit auf getenntemBoden macht immer unpersönlicher, unmenschlicher, verflacht den Menschenzum Vertreter der Gattung. Erst die Besonderheit des Mannes fordert seinemenschliche Kraft, und je stärker er sich als Gestalt sondert, um so größer mußder Mut des Alleinseins mit dem Selbsterzeugten werden, je ungeheurer dieSpannung zum andersgearteten wird, um so gewaltiger muß der Aufwandsein, in jedem Augenblicke den Gegendruck zu ertragen und dennoch dasEigne kämpfend aufzurichten. Es bleiben dem Herrscher nur die großen Wirk-lichkeiten als Mittel oder Gegenstand seines schöpferischen Willens: das Seiendenach seinem Bilde gestaltend umgestalten, ist ihm Trieb und Ziel, nicht dieGattung kümmert ihn, sondern der Mensch in leiblicher und geistiger Freiheitund Bindung, der einzige Urgrund aller Wirklichkeiten. Ihn lebendig zu er-greifen, ihn zu lösen und zu binden, daß er die Formen seines Geistes fülleund wachsend weiterbilde, ist seine einzige Begierde.An euch also, Knaben und Jünglinge, ergeht unser Ruf, soweit in euch nochdie reinen Feuer des Lebens brennen. Wohin ihr euch wendet, ein hohes Gutzu verehren, begegnet ihr Zeitgeistern, die alles Verehrte lockern, wohin ihreuch wendet, eine Gemeinschaft zu finden, die eurem Leben feste GesetzeWeise, begegnet ihr Zweck-Verbänden, die unter dem Banner der Kultur dengröbsten Nutzen suchen, wohin ihr euch wendet, einen Menschen zu suchen,der eurem Wollen Sinn und Vorbild gäbe, heißt man euch nach der Mensch-heit schauen und im Wohl der Gattung das allgemeine Gute und Wahre sehen.

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