Deutschlands eben dasselbe Recht dazu wie du, von denen keiner es tut, son-dern du allein dich hervordrängst? Ich antworte, daß allerdings jeder dasselbeRecht gehabt hätte wie ich und daß ich gerade darum es tue, weil keiner unterihnen es vor mir getan hat, und daß ich schweigen würde, wenn ein andereres früher getan hätte. Dies war der erste Schritt zu dem Ziele einer durch-greifenden Verbesserung; irgendeiner mußte ihn tun. Ich war der, der es zu-erst lebendig einsah; darum wurde ich der, der es zuerst tat. Es wird nachdiesem irgendein anderer Schritt der zweite sein; diesen zu tun, haben jetztalle dasselbe Recht; wirklich tun aber wird ihn abermals nur ein einzelner.Einer muß immer der erste sein, und wer es sein kann, der sei es eben! (Fichte,Reden an die deutsche Nation, 1807/1808.)
DICHTER UND TÄTER
Nur in der gemeinen, tierischen Region des politischen Lebens sind der Staats-mann und der Dichter unverträglich: sie scheinen sich zu nähern und zu ver-söhnen, je höher das Leben steigt; sie erkennen sich: in welchem Bade sollsich die Seele des großen Staatsmanns erfrischen als im Bade der Poesie?Wenn ungeheure Sorgen ihn von sich selbst loszureißen und mit sich selbstzu entzweien, wenn die Lockungen des Ruhms und aller irdischen Größeihn in sich selbst zu verstricken dröhn, was soll hier die Knoten lösen, dortdas Getrennte sanft verknüpfen? Braucht nicht Alexander den Homer, umdie brausende Seele nur die wenigen Jahre festzuhalten, die sein ungeheuresDasein dauert? Was soll denn denjenigen mäßigen, von dem die irdischenDinge ihr Maß erwarten ? Was soll den selbst erziehn, dem ganze Völker zurErziehung übergeben sind? In seinem Geschlechte ist er der Größte und allesvon ihm abhängig; hier ist er selbst der Ausfluß aller Gnade, alles Lohns,aller Beruhigung. Es muß etwas geben, ein andres Geschlecht, seinesgleichenund doch unendlich verschieden von ihm, welches dem Himmel näherstehtund ihn schwebend erhält in seiner Höhe, ihn selbst wieder belohnt, beruhigt,und für dessen Wirken es im ganzen Umkreise der irdischen Dinge kein Gleich-nis gibt. (Adam Müller, Zwölf Reden über die Beredsamkeit und deren Ver-fall in Deutschland, 1812.)
DICHTERISCHES MAASS
Das ist das Maß der Begeisterung, das jedem Einzelnen gegeben ist, daß dereine bei größerem, der andere nur bei schwächerem Feuer die Besinnungnoch im nötigen Grade behält. Da, wo die Nüchternheit dich verläßt, da istdie Grenze deiner Begeisterung Der große Dichter ist niemals von sich selbstverlassen, er mag sich so weit über sich selbst erheben als er will. Man kannauch in die Höhe fallen, so wie in die Tiefe. Das letztere verhindert der elasti-sche Geist, das erstere die Schwerkraft, die im nüchternen Besinnen liegt. DasGefühl ist aber wohl die beste Nüchternheit und Besinnung des Dichters,wenn es richtig und warm und klar und kräftig ist. Es ist Zügel und Sporn demGeist. Durch Wärme treibt es den Geist weiter, durch Zartheit und Richtig-
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