VORLÄUFER UND ENDBLÜTEN
Es gibt einzelne außerordentliche Menschen, Sonnenkinder eines Zeitalters,wie von einem fremden Planeten Herabgekommene, die als Verkünder, Heroldeund Weissager gleichsam ohne ein Volk und eine große Geschichte einerherrlichen Zeit, die da kommen soll, voranschreiten, oder die auch wie zumTröste als letzte Heldenkrone und Liebeskranz von Gott auf die Leiche einesvergehenden Zeitalters gelegt werden. (Ernst Moritz Arndt, Geist der Zeit IV,1818.)
NOTWENDIGKEIT DES GEFAHRVOLLEN LEBENS
Ich begrüße alle Anzeichen dafür, daß ein männlicheres, ein kriegerischesZeitalter anhebt, das vor allem die Tapferkeit wieder zu Ehren bringen wird!Denn es soll einem noch höheren Zeitalter den Weg bahnen und die Krafteinsammeln, welche jenes einmal nötig haben wird —, jenes Zeitalter, das denHeroismus in die Erkenntnis trägt und Kriege führt, um der Gedanken undihrer Folgen willen. Dazu bedarf es für jetzt vieler vorbereitender, tapfererMenschen, welche doch nicht aus dem Nichts entspringen können — und eben-sowenig aus dem Sand und Schleim der jetzigen Zivilisation und Großstadt-bildung: Menschen, welche es verstehen, schweigend, einsam, entschlossen,in unsichtbarer Tätigkeit zufrieden und beständig zu sein: Menschen, die mitinnerlichem Hange an allen Dingen nach Dem suchen, was an ihnen zu über-winden ist: Menschen, denen Heiterkeit, Geduld, Schlichtheit und Verachtungder großen Eitelkeiten ebenso zu eigen ist, als Großmut im Siege und Nachsichtgegen die kleinen Eitelkeiten aller Besiegten: Menschen mit einem scharfenund freien Urteil über alle Sieger und über den Anteil des Zufalls an jedemSiege und Ruhme: Menschen mit eigenen Festen, eigenen Werktagen, eigenenTrauerzeiten, gewohnt und sicher im Befehlen und gleich bereit, wo es gilt,zu gehorchen, im Einen wie im Andern gleich stolz, gleich ihrer eigenen Sachedienend: gefährdetere Menschen, fruchtbarere Menschen, glücklichere Men-schen! Denn, glaubt es mir! — das Geheimnis, um die größte Fruchtbarkeitund den größten Genuß vom Dasein einzuernten, heißt: gefährlich leben!Baut eure Städte an den Vesuv! Schickt eure Schiffe in unerforschte Meere!Lebt im Kriege mit Euresgleichen und mit euch selber! Seid Räuber und Er-oberer, so lange ihr nicht Herrscher und Besitzer sein könnt, ihr Erkennenden!Die Zeit geht bald vorbei, wo es euch genug sein durfte, gleich scheuenHirschen in Wäldern versteckt zu leben! Endlich wird die Erkenntnis dieHand nach Dem ausstrecken, was ihr gebührt: — sie wird herrschen undbesitzen wollen und ihr mit ihr! (Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft,1881/1882.)
DIE TAT ALS RECHT DES ERSTEN SCHRITTES
Es dürfte jemand unter euch hervortreten und mich fragen: was gibt geradedir, dem einzigen unter allen deutschen Männern und Schriftstellern, den be-sonderen Auftrag, Beruf und das Vorrecht, uns zu versammeln und auf unseinzudringen? Hätte nicht jeder unter den Tausenden der Schriftsteller
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