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4 (1926) Die Gestalt des Deutschen
Entstehung
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Ruhm brachte, getan habe. Welcher Schulmeister hat nicht von Alexanderdem Großen, von Julius Cäsar vordemonstriert, daß diese Menschen von solchenLeidenschaften getrieben und daher unmoralische Menschen gewesen seien?Woraus sogleich folgt, daß er, der Schulmeister, ein vortrefflicherer Menschsei als jene, weil er solche Leidenschaften nicht besäße und den Beweis dadurchgebe, daß er Asien nicht erobere, den Darius, Porus nicht besiege, sondern freilichwohl lebe, aber auch leben lasse. Diese Psychologen hängen sich dannvornehmlich auch an die Betrachtung von den Partikularitäten der großen,historischen Figuren, welche ihnen als Privatpersonen zukommen. DerMensch muß essen und trinken, steht in Beziehung zu Freunden und Bekann-ten, hat Empfindungen und Aufwallungen des Augenblicks. Für einen Kam-merdiener gibt es keinen Helden, ist ein bekanntes Sprichwort; ich habe hin-zugesetzt und Goethe hat es zehn Jahre später wiederholt, nicht aberdarum, weil dieser kein Held, sondern weil jener der Kammerdiener ist. Dieserzieht dem Helden die Stiefel aus, hilft ihm zu Bette, weiß, daß er lieber Cham-pagner trinkt und so fort. Die geschichtlichen Personen, von solchen psycho-logischen Kammerdienern in der Geschichtschreibung bedient, kommen schlechtweg; sie werden von diesen, ihren Kammerdienern, nivelliert, auf gleicherLinie oder vielmehr ein paar Stufen unter die Moralität solcher feinen Men-schenkenner gestellt. Der Thersites des Homer, der die Könige tadelt, ist einestehende Figur aller Zeiten. Schläge, das heißt Prügel mit einem soliden Stabe,bekommt er zwar nicht zu allen Zeiten, wie in den homerischen, aber seinNeid, seine Eigensinnigkeit ist der Pfahl, den er im Fleische trägt, und der un-sterbliche Wurm, der ihn nagt, ist die Qual, daß seine vortrefflichen Absichtenund Tadeleien in der Welt doch ganz erfolglos bleiben. Man kann auch eineSchadenfreude am Schicksal des Thersitismus haben.

Ein welthistorisches Individuum hat nicht die Nüchternheit, dies und jeneszu wollen, viel Rücksichten zu nehmen, sondern es gehört ganz rücksichts-los dem einen Zwecke an. So ist es auch der Fall, daß sie andre, große, jaheilige Interessen leichtsinnig behandeln, welches Benehmen sich freilichdem moralischen Tadel unterwirft. Aber solche große Gestalt muß mancheunschuldige Blume zertreten, manches zertrümmern auf ihrem Wege. (Hegel,Der Sinn der Weltgeschichte, 1825.)

HOFFNUNG AUF DEN ERNEUERER

Bisweilen verlautet heftiges Begehr nach großen Männern, und das haupt-sächlich im Staat, weil die Dinge in allen großen Ländern auf eine solche Bahngeraten sind, daß man mit gewöhnlichen Dynasten und Oberbeamten nichtmehr durchkommt, sondern Extrapersonen haben sollte.Wenn aber der große Mann käme und nicht gleich in seinen Anfängen unter-ginge, so ist noch die Frage, ob man ihn nicht zerschwatzen und durch Hohnüber ihn Meister würde. Unsere Zeit hat eine zermürbende Kraft.Dagegen ist die Zeit sehr geneigt, sich zeitweise durch Abenteurer und Phan-tasten imponieren zu lassen.

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