an der Zeit ist. Das ist eben die Wahrheit ihrer Zeit und ihrer Welt, sozu-sagen die nächste Gattung, die im Innern bereits vorhanden war. Ihre Sachewar es, dies Allgemeine, die notwendige, nächste Stufe ihrer Welt zu wissen,diese sich zum Zwecke zu machen und ihre Energie in dieselbe zu legen.Die welthistorischen Menschen, die Heroen einer Zeit, sind darum als dieEinsichtigen anzuerkennen; ihre Handlungen, ihre Reden sind das Beste derZeit. Große Menschen haben gewollt, um sich zu befriedigen, nicht um andre.Was sie von andern erfahren hätten an wohlgemeinten Absichten und Rat-schlägen, das wäre vielmehr das Borniertere und Schiefere gewesen, denn siesind die, die es am besten verstanden haben, und von denen es dann viel-mehr alle gelernt und gut gefunden oder sich wenigstens darin gefügt haben.Denn der weitergeschrittene Geist ist die innerliche Seele aller Individuen,aber die bewußtlose Innerlichkeit, welche ihnen die großen Männer zum Be-wußtsein bringen. Deshalb folgen die andern diesen Seelenführern, denn siefühlen die unwiderstehliche Gewalt ihres eignen inneren Geistes, der ihnenentgegentritt. Werfen wir einen Blick auf das Schicksal dieser welthistorischenIndividuen, welche den Beruf hatten, die Geschäftsführer des Weltgeisteszu sein, so ist es kein glückliches gewesen. Zum ruhigen Genüsse kamen sienicht, ihr ganzes Leben war Arbeit und Mühe, ihre ganze Natur war nur ihreLeidenschaft. Ist der Zweck erreicht, so fallen sie, die leeren Hülsen desKernes, ab. Sie sterben früh wie Alexander, sie werden wie Cäsar ermordet,wie Napoleon nach St. Helena transportiert. Diesen schauderhaften Trost, daßdie geschichtlichen Menschen nicht das gewesen sind, was man glücklichnennt, und dessen das Privatleben, das unter sehr verschiedenen äußerlichenUmständen stattfinden kann, nur fähig ist, — diesen Trost können die sichaus der Geschichte nehmen, die dessen bedürftig sind. Bedürftig aber desselbenist der Neid, den das Große, Emporragende verdrießt, der sich bestrebt, esklein zu machen und einen Schaden an ihm zu finden. So ist es auch in neuerenZeiten zur Genüge demonstriert worden, daß die Fürsten überhaupt auf ihremThrone nicht glücklich seien, daher man denselben ihnen dann gönnt und eserträglich findet, daß man nicht selbst, sondern sie auf dem Throne sitzen.—. Der freie Mensch ist übrigens nicht neidisch, sondern anerkennt das gern,was groß und erhaben ist, und freut sich, daß es ist.
Nach diesen allgemeinen Momenten also, welche das Interesse und damit dieLeidenschaften der Individuen ausmachen, sind diese geschichtlichen Men-schen zu betrachten. Es sind große Menschen, eben weil sie ein Großes, undzwar nicht ein Eingebildetes, Vermeintes, sondern ein Richtiges und Notwen-diges gewollt und vollbracht haben. Diese Betrachtungsweise schließt auchdie sogenannte psychologische Betrachtung aus, welche, dem Neide am bestendienend, alle Handlungen ins Herz hinein so zu erklären und in die subjektiveGestalt hineinzubringen weiß, daß ihre Urheber alles aus einer großen oderkleinen Leidenschaft, aus einer Sucht getan haben und, um dieser Leidenschaf-ten und Suchten willen, keine moralischen Menschen gewesen seien. Alexandervon Mazedonien hat zum Teil Griechenland, dann Asien erobert, also ist ereroberungssüchtig gewesen. Er hat aus Ruhmsucht, Eroberungssucht ge-handelt, und der Beweis, daß sie ihn getrieben haben, ist, daß er solches, das
3 Wolters, Der Deutsehe. IV, 1. __
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